Dossiers

„Leipziger Tradition"

Neonazis in der Fanszene des 1. FC Lok Leipzig

Kaum ein Begriff wird von Fußballfans so überladen wie der der Tradition. Traditon ist da per se etwas gutes, Tradition wird von den Fans hochgehalten. Am 31. Oktober 2012 gab es ein "Derby der Traditionsteams", wie der MDR zu berichten wusste. Gemeint war das Spiel des 1. FC Lokomotive Leipzig gegen den 1. FC Magdeburg. Die Fans der Vereine verbindet eine traditionelle Abneigung. Solche Spiele haben für aktive Fans immer eine besondere Bedeutung. Hier wird sich nicht nur auf dem Platz gemessen, sondern auch auf den Rängen. Doch während die gastgebende Lok das Spiel auf dem Feld gewinnt, herrscht auf den Rängen eher Tristesse. Nur etwa 300 der 2.500 Lokfans machen die Stimmung, ihre Sprüche und Gesänge sind im besten Fall einfallslos, gern martialisch. Der Gegner aus Magdeburg wird von jenen Fans mehrfach mit dem Begriff "Asylanten" belegt, was in dem Fall wohl eine Beleidigung sein soll. » weiterlesen

Rechts rockt Staupitz

Ein Gasthof am Rande von Torgau bietet Nazi-Bands regelmäßig eine Bühne

Ein Gasthof im südlich von Torgau gelegenen Örtchen Staupitz – bis Ende 2008 noch Teil der Gemeinde Pflückuff, die dann nach Torgau eingemeindet wurde – hat sich in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Veranstaltungsorte für neona zistische Konzerte in Sachsen entwickelt. » weiterlesen

Auf gute Nachbarschaft - Zur dezentralen Unterbringung von AsylbewerberInnen

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In Leipzig stoßen Pläne zur dezentralen Unterbringung von AsylbewerberInnen auf heftige Proteste – aber auch auf viel Zustimmung

Von Sarah Lempp. (Zuerst veröffentlicht in der Zeitschrift Analyse und Kritik, Ausgabe Nr. 574 | 17. August 2012)

»Wir sind das Volk!«, skandiert die Menschenmenge vor dem »Kulturhaus Völkerfreundschaft« in Leipzig-Grünau und rüttelt an den Türen, um Einlass in den überfüllten Saal zu fordern. Dort stellt Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) an jenem Abend des 11. Juni 2012 das städtische Konzept vor, demzufolge in Grünau ein weiteres Asylbewerberheim eröffnet werden soll. Rund 500 AnwohnerInnen sind gekommen, die Stimmung ist aufgeheizt. Auch 20 Jahre nach den Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen scheint sich wenig geändert zu haben an den Ressentiments, die sich in der Mitte der Gesellschaft gegenüber Asylsuchenden finden. » weiterlesen

Der Tod eines Obdachlosen

Südbahnhof in Oschatz

Junge Männer treten im sächsischen Oschatz den Obdachlosen André K. zu Tode. Ob rechter Hass das Motiv war, hat die Staatsanwaltschaft nicht ermittelt

Von Michael Kraske

Nicht mal ein Foto ist von André K. geblieben. Als hätte es ihn nie gegeben. Das Wartehäuschen am Südbahnhof im kleinen Oschatz mitten in Sachsen, wo sich der 50-Jährige am Abend des 26. Mai schlafen gelegt hatte, ist neu gestrichen. Die Bank, auf der er mit einem Tritt geweckt wurde, ist entfernt worden. Müll liegt rum. Kein Kranz, keine Tafel erinnern daran, dass junge Männer ihn hier so lange traten, bis er sich nicht mehr rührte. » weiterlesen

Rassismus an der Clubtür

Wait in line... Foto by:  pat00139 (flickr.com)

chronik.LE unterstützt den Aufruf "Eintritt für alle - Fünf Schritte für einen diskriminierungsfreien Einlass in Leipziger Clubs und Diskotheken" von ADB und StuRa

Das Antidiskriminierungsbüro Sachsen (ADB) und das Referat Ausländischer Studierender der Universität Leipzig (RAS) haben Ende vergangenen Jahres verschiedene Leipziger Diskotheken auf rassistische Diskriminierung getestet. Das Ergebnis: In mehr als der Hälfte der Fälle (sechs von elf Clubs) wurde den "nicht-deutschen" Testern der Eintritt verweigert, während die mehrheitsdeutschen Vergleichspersonen durchgewunken wurden. » weiterlesen

Business as usual?!

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Analyse und Kritik" (ak 568) findet sich auf Seite eins ein (gekürzter) Beitrag von chronik.LE zur mangelhaften gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Terror des "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU). Ungekürzt kann der Beitrag an dieser Stelle nachgelesen werden.

Weiterhin möchten wir auf eine neue Broschüre zum Mythos Dresden hinweisen, die ak gemeinsam mit "Der Rechte Rand" herausgebracht hat. Das 24-seitige Heft kann online auf der Webseite von ak abgerufen werden [2,6 MB]. » weiterlesen

Sächsische Zustände - Wie die Sächsische Demokratie den Nährboden für Nazis fruchtbar hält

Neonazis terrorisieren Kleinstädte. Die Landesregierung gängelt derweil demokratische Initiativen. Der Streit um die Extremismusklausel lenkt von der Alltagsmacht ab, die Neonazis vielerorts erobert haben.

Von Michael Kraske » weiterlesen

Demokratie ist kein formalistisches Gebilde: chronik.LE im Interview mit L-IZ.de zum Demokratieverständnis in Sachsen

Das Projekt Chronik.LE dokumentiert nach eigener Definition "faschistische, rassistische und diskriminierende Aktivitäten" in Leipzig und den umliegenden Landkreisen. In den Jahren 2008 und 2010 wurde es über den Lokalen Aktionsplan mit Mitteln aus dem Bundesprogramm "Vielfalt tut gut" gefördert. » weiterlesen

Rechtspopulismus in Leipzig: Institut distanziert sich von „Die-Freiheit“-Politiker

Im Wintersemester 2010/2011 bot die Abteilung für Kirchen- und Religionssoziologie des Instituts für Praktische Theologie an der Universität Leipzig ein Seminar zu dem durchaus interessanten Thema „Zwischen Islamophobie und Kulturrelativismus“ an. Den Lehrauftrag erhielt Felix Struening aus Berlin, der derzeit zum Thema „Bürgerliche Islamkritik“ promoviert. » weiterlesen

Sammlungsversuche am rechten Rand - Regionalgruppe der Partei »Die Freiheit« in Leipzig und »Bürgerbewegung pro Sachsen« gegründet

Zwischen erklärten Neonazis und Konservativen ist noch Platz: Das hoffen zumindest Parteien und Bewegungen, die mangels eines besseren Begriffs häufig als »Rechtspopulisten« bezeichnet werden. » weiterlesen

"Ich muss doch als Sterntaler weiß und blond sein?" - Eine Leipzigerin berichtet von ihren alltäglichen Rassismuserfahrungen

Die Auseinandersetzung mit Herkunft, kultureller Identität, Wurzeln, Hautfarbe und meinem eigenen Weißsein spielte in meinem Leben keine Rolle. „Das ist doch heute kein Problem mehr. Bei uns doch nicht“, habe auch ich einmal gesagt. Dass ich mich geirrt habe, erlebe ich seit der Geburt meiner schwarzen Tochter. » weiterlesen

Die Extremismusklausel ist keine Demokratieklausel

In den Kreisen zivilgesellschaftlicher Initiativen gegen Neonazismus, Rassismus und Diskriminierung herrscht Unverständnis, Sorge und Empörung: Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) und der sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU) wollen die Vergabe staatlicher Fördergelder von der Zustimmung zu einer „Extremismusklausel“ – in der Sprachregelung des Familienministeriums „Demokratiekl » weiterlesen

Schein und Sein: Ein Blick hinter die »Erfolgsmeldungen« der NPD in Leipzig und Nordsachsen

Die 62.000 internen NPD-Mails, die vor kurzem verschiedenen Medien zugespielt wurden, gewähren interessante Einblicke ins Innenleben der Nazipartei. » weiterlesen

Staatlich geförderte Menschenrechtsverletzung - Das MEDINETZ organisiert Widerstand gegen den Ausschluss Illegalisierter aus dem Gesundheitssystem

„Der Pass ist der edelste Teil von einem Menschen. Er kommt auch nicht auf so eine einfache Weise zustande wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustande kommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Pass niemals.

Den Sinn von Arbeit hinterfragen - Guillaume Paoli über Glückliche Arbeitslose und unglückliche Arbeitnehmer_innen

Der heutige „Hausphilosoph“ des städtischen Centraltheaters, Guillaume Paoli, wurde in den 90er Jahren als ein Vertreter der „Glücklichen Arbeitslosen“ bekannt. Was lag also näher als sich mit ihm über die Situation von Hartz-IV-Empfänger_innen und deren Diskriminierungserfahrungen zu unterhalten? Paoli selbst hielt davon jedoch zunächst eher wenig. » weiterlesen

Keine Hemmungen - Neonazis ermordeten sechs Menschen in Leipzig seit 1990

Im Herbst 2010 wurde der 19-Jährige Kamal K. von zwei Rassisten am Leipziger Hauptbahnhof ermordet. Er war nicht der Erste, der durch Nazigewalt sein Leben verlor. In Deutschland starben seit 1990 zwischen 137 [1] und 149 [2] Menschen durch menschenfeindliche Übergriffe [3]. » weiterlesen

How to talk about... Plädoyer für einen nicht-diskriminierenden Sprachgebrauch

Sprache ist nicht „neutral“. Tagtäglich verwendete Redeweisen, Begriffe und inhaltliche Zusammenhänge dienen uns einerseits als Ausdrucksmittel unseres Denkens. Andererseits prägt und strukturiert die von uns verwendete Sprache dieses Denken in einer Art und Weise, die wir uns selten vergegenwärtigen. » weiterlesen

Nie ohne Fluchtplan - Eine Betroffene rechter Gewalt berichtet

Der Alltag in einer Kleinstadt verkommt zum Spießrutenlauf, wenn man nicht ins Bild passt. In Bad Lausick (Landkreis Leipzig) haben Neonazis einer Berufsschülerin nachgestellt. Uns erzählt sie von vielen bedrohlichen Begegnungen – und ihrer Angst, immer einen Fluchtplan zu brauchen. » weiterlesen

Das Problem heißt Rassismus. Armut und soziale Ungerechtigkeit sollen auf dem Rücken von Migrant_innen ausgetragen werden

„Deutschland schafft sich ab“, prophezeit der ehemalige Bundesbanker Thilo Sarrazin (SPD) in seinem Ende August erschienenen Buch. Er löste damit bundesweit eine kontrovers geführte öffentliche Debatte über Migration und Integration aus, die vor allem durch zweierlei auffällt: heftige Emotionen und eine bislang ungekannte Akzeptanz rassistischer und diskriminierender Äußerungen. » weiterlesen

Nur die Fakten sterben aus. Zu wissenschaftlichem Wert, politischem Zweck und diskriminierender Funktion von Bevölkerungsprognosen

„Die BRD führt uns unaufhaltsam in den Volkstod“, wurde unlängst auf einer Neonazi-Website aus dem Leipziger Umland schwadroniert. „Der finale Todesstoß wird mit der Überfremdung unserer Heimat mittels herangekarrter Migranten gesetzt.“ Solche apokalyptischen Äußerungen sind Werbung für nationalsozialistische Ideologie. » weiterlesen