Am Donnerstag morgen wurde bei Radio PSR in der Steffen-und-Lukas-Show in dem Showteil "Sinnlos-Telefon" ein in Sachsen lebender Vietnamese "auf die Schippe genommen". Die Moderatoren kündigten den namenlos gebliebenen Herren als "Fidschi" an. In dem Anruf wurde ihm dann erzählt, dass die Polizei gleich bei ihm wegen einer gestohlenen Kaffeemaschine mit rund 40 Polizisten vorbeischauen wolle. Zudem wurde in der Ankündigung des Beitrags gemutmaßt, der Vietnamese würde den Anrufer ohnehin nicht verstehen. Diese Einstellung spiegelte sich dann auch in simplifizierten Grammatik wieder, die der Moderator im Gespräch mit dem "Opfer" des Falschanrufs benutzte.
Auf Nachfrage von chronik.LE distanzierte sich der Sender von jeder diskriminierenden Absicht des Scherzanrufes. Ein Pressesprecher teilte mit: "Wir sind ein Sender für in Sachsen lebende Menschen und differenzieren in keinster Weise zwischen Hautfarbe, Konfession, Herkunft, Bildung etc. Insofern nehmen wir uns aber auch die Freiheit alle Bevölkerungsgruppen in unser Programm einzubeziehen, ob im redaktionellen Teil oder aber eben auch im Bereich der Comedy."
Obwohl die Intention dieser Aussage sicherlich ernst zu nehmen ist, spiegelt sie dennoch einen problematischen Aspekt des homuristisch gemeinten Beitrags wieder: Zugewanderte, in diesem Fall aus Vietnam, werden eben nicht als ganz normaler Teil der Bevölkerung Sachsens behandelt, sondern als gesonderte "Bevölkerungsgruppe" identifiziert, die sich hin und wieder wohl auch gefallen lassen muss, auf rassistische Stereotype reduziert oder mit beleidigenden Begriffen bezeichnet zu werden.
So erklärt die aus Vietnam stammende Hong Nga Nguyen Vu, Kommunikationswissenschaftlerin am Medienforschungsinstitut der Universität Zürich, bezüglich der Bezeichnung "Fidschi": "Das Wort 'Fidschi' ist als Schimpfwort gedacht, das ich nicht hören möchte. Es wurde zuerst gebraucht, um vietnamesische und überhaupt asiatische Facharbeiter in der ehemaligen DDR zu diskriminieren. Aufgekommen ist es, als viele Menschen aus diesen Ländern in den 1970er, 1980er Jahren angeworben wurden und in die DDR kamen."
Mehr Informationen zu nicht-diskriminierendem Sprachgebrauch und dem F-Wort gibt es auf www.netz-gegen-nazis.de
Ohrenzeug_innen, Pressesprecher Radio PSR, Netz gegen Nazis




