Hochrangiges Nazitreffen in Leipziger NPD-Büro plant "Braune Schutztruppe"

24.

Januar
2010
Sonntag
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Sonntag, 24. Januar 2010

Am Sonntag trafen sich rund 20 hochrangige Nazis aus ganz Sachsen im NPD-Büro in der Odermannstraße. Auf dem Programm stand die Vorbereitung des alljährlichen geschichtsrevisionistischen Aufmarsches am 13. Februar 2010 in Dresden. Dieser war in den vergangenen Jahren der europaweit größte Neonazisaufmarsch. Für 2010 wird mit 8000 Teilnehmern aus ganz Europa gerechnet.

Bei dem Treffen in der Odermannstaße fanden sich neben Mitgliedern der NPD auch Anhänger der "Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland" (JLO), der "Freien Kräfte" sowie der NPD-Nachwuchsorganisation "Junge Nationaldemokraten" (JN) ein. Anwesend waren auch der mutmaßliche Gastgeber und sächsische JN-Vorsitzende Tommy Naumann, sowie Marcus Großmann, der momentan für die sächsiche NPD arbeitet und der NPD-Landtagsabgeordnete Winfried Petzold.

Das Treffen war nicht nur für die Planung eines "Sicherheitskonzepts" speziell für den Aufmarsch am 13. Februar in Dresden anberaumt worden. Es gilt auch als wichtiges Vernetzungstreffen für den Aufbau eines neuen sachsenweiten "Ordnungsdienstes". Mit mehr als 100 Ordnern will die neue Schläger-Truppe am 13. Februar in Dresden ihren Einstand geben und den europaweit größten Neonazi-Aufmarsch absichern. Dabei soll sie nicht nur Verstöße in den eigenen Reihen ahnden (die Organisatoren des "Gedenkmarsches" haben für ihre Gesinnungskameraden ein Regelwerk zum Verhalten in Dresden aufgestellt), sondern vor allem potenzielle Störer, sprich Gegendemonstrant_innen, "fernhalten".

Um eine solche "schlagkräftige" Ordner-Struktur aufbauen zu können, benötigen NPD und JN die Hilfe der "Freien Kräfte". Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet Maik Scheffler ("Freies Netz Nordsachsen") sowie Tommy Naumann mit dieser Aufgabe betraut wurden. Beide haben ausgezeichnete Kontakte in die Szene: sie begannen ihre Polit-Karriere bei den "Freien Kräften" und sind nach wie vor maßgeblich an deren Organisation beteiligt. Inzwischen versuchen Naumann und sein politischer Ziehvater Scheffler, die vormals übers "Freie Netz" organisierten Gruppierungen in die NPD-Nachwuchsorganisation JN zu überführen.

Ebenfalls zuständig ist Markus Großmann. Dieser machte schon im vergangenen Jahr mit seinen guten Kontakten zur Parteispitze auf sich aufmerksam. Großmann war "Medienbeauftragter" im zentralen Wahlkampffahrzeug der NPD und reiste mit dem Parteichef Udo Voigt durch Deutschland. Vor seiner Tätigkeit für die sächsische NPD war er maßgebliches Mitglied bei der völkisch-nationalen Ordnungsdienstorganisation "Selbstschutz Deutschland". Diese ist eine Nachfolgeorganisation der für etliche brutale Übergriffe bekannten Organisation "Selbstschutz Sachsen-Anhalt", kurz "SS-SA". Großmann kann auf Grund seiner Erfahrungen mit der Organisation von Schlägertrupps und seiner guten Parteianbindung erheblich dazu beitragen, den Aufbau einer "braunen Schutztruppe" für Sachsen umzusetzen.

Die Neonazis aus dem Umfeld des "Freien Netzes" haben in der Vergangenheit schon auf diversen Veranstaltungen als Ordner fungiert. Neu jedoch wird sein, dass sich am 13. Februar die Ordner in einzelne "Trupps" gliedern werden. In Zukunft sollen so genannte "Truppführer", meist Kader aus NPD und "Freies Netz", auf regionaler Ebene kleine Gruppen zusammenstellen und diese koordinieren. Als "Truppführer" treten zum Beispiel Manuel Tripp (Geithain) und Isztvan Repaczki (Leipzig) auf. Tripp ist parteiloser Stadtrat in Geithain und meldete 2008 eine Demonstration unter dem Motto "Revolution ist machbar" an. Repaczki trat erstmals 2007 während einer Demonstration der Freien Kräfte Leipzigs auf. Motto: "Todesstrafe für Kinderschänder". 2009 kandidierte er für die NPD zur Stadtratswahl in Leipzig.

Der Aufbau dieser Struktur zeigt, dass NPD und "Freie Kräfte" ihre Zusammenarbeit weiter ausbauen - auf Landesebene und auf regionaler Ebene. In Zukunft greifen sie gemeinsam zu auf eine organiserte, geschulte, gehorsame und äußerst schlagkräftige Truppe. Diese wird vermutlich schnell, flexibel, und in dem Anlass ensprechender Größe zu mobilisieren sein - egal ob in Delitzsch, Leipzig, Wurzen oder Dresden.

Weitere Informationen zur Vernetzung von NPD und Freien Kräften finden sie in diesem Chronik.LE Dossier.

Quelle: 

Li-Z.de vom 26.01.2010, LVZ Online vom 25.01.2010, Blick nach Rechts vom 25.01.2010