"Juden-Pegau": Antisemitische Parolen bei Kreisliga-Fußballspiel am "Männertag" in Gnandstein

03.

Juni
2011
Freitag
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Freitag, 3. Juni 2011

Bei einem nachgeholten Kreisliga-Fußballspiel zwischen der SG Gnandstein 49 - Gnandstein ist ein Ortsteil von Kohren-Sahlis (Landkreis Leipzig) - und TuS Pegau wurden die Gastgeber_innen am Himmelfahrtstag von "Fans" aus dem nahen Frohburg mit antisemitischen und neonazistischen Parolen unterstützt. Die "Bornaer Allgemeine Sportzeitung" berichtet von Sprüchen wie "Juden-Pegau" und "Pegauer haben einen Judenstern zu tragen". Der "Fascho-Mob" (Sportzeitung) soll auch das berüchtigte U-Bahn-Lied ("Wir bauen eine U-Bahn bis nach Auschwitz") gesungen haben.

Ein Augenzeuge berichtet in einem Groundhopping-Bericht, dass die Frohburger "Faschisten" in der 57. Minute einen Spielabbruch provozierten, indem sie "zum dritten oder vierten Mal Feuerwerk aufs Feld" warfen und dabei "ein Böller knapp neben einem Gästespieler hoch ging". Das Spiel wurde daraufhin aber nur für drei Minuten unterbrochen. Später seien weitere Leuchtkörper und Flaschen auf das Spielfeld geworfen worden. Auch die antisemitischen Schmähungen, die von niemandem unterbunden worden, nahm der Schiedsrichter nicht zum Anlass, das Spiel abzubrechen.

Erst drei Wochen später berichtete die LVZ Borna-Geithain über die Ereignisse. Die "extremen Ausschreitungen" würden vom zuständige Fußballverband Muldental/Leipziger Land "sportgerichtlich nur auf Sparflamme gekocht". Nach Informationen der LVZ soll es sich bei den Personen aus Frohburg gar um Spieler des dortigen Fußballvereins BSV Einheit Frohburg gehandelt haben - direkte Tabellen-Konkurrenten der Pegauer. Von den am Spiel beteiligten Mannschaften selbst seien keine Provokationen ausgegangen.

Laut LVZ habe der Schiedsrichter die Vorkommnisse nicht auf dem Spielberichtsbogen vermerkt, weshalb der Verband erst nachträglich davon erfuhr. Gegenüber der LVZ äußerte der Verbandspräsident, es habe im Vorfeld "Riesenbedenken" wegen des "ungünstige[n] Termin[s]" am Männertag gegeben. Bei der Online-Sportzeitung und in dem Augenzeugenbericht ist die Rede davon, dass die knapp 300 Besucher_innen bereits gegen 11 Uhr größtenteils "hackedicht" gewesen seien.

Nach Auskunft des Sportgerichts des Verbandes muss die SG Gnandstein lediglich "eine kleine Strafe" bezahlen, da sie als gastgebender Verein für die Sicherheit beim Spiel verantwortlich ist. Genaueres zum Strafmaß wurde nicht mitgeteilt. Die LVZ weist darauf hin, dass der Verband sich in letzter Zeit generell scheue, Sportgerichtsurteile zu veröffentlichen. Das Verfahren gegen die Störer aus Frohburg sei noch nicht abgeschlossen.