KZ-Häftlingsfriedhof Flößberg mit Hakenkreuzen und antisemitischer Parole geschändet

31.

Juli
2011
Sonntag
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Sonntag, 31. Juli 2011

Das Eingangstor zum Friedhof auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Flößberg in Frohburg OT Eulatal (LK Leipzig) wurde Ende Juli mit Hakenkreuzen und einer antisemitischen Parole beschmiert. Die LVZ Borna-Geithain berichtete am 10.08.2011, dass die Hetzparolen bereits am Abend des 31. Juli entdeckt wurden, nachdem am 28. Juli noch alles in Ordnung gewesen sei. Die Kommune habe am 2. August bei der Polizei Strafanzeige gestellt und am 9. August eine Beseitigung der Schmierereien in die Wege geleitet habe. Von der zuständigen Polizeidirektion Leipzig wurde die Friedhofsschändung erst am 10. August vermeldet.

Schockiert zeigte sich die Initiative "Flößberg gedenkt", die am 8. August von einem Mitarbeiter des Sachsenforstes von der Sachbeschädigung erfahren hatte und den Vorfall dann mit einer Pressemitteilung öffentlich machte: "Es ist eine unerträgliche und nicht hinnehmbare Verhöhnung von Verstorbenen und deren Religion. Die Täter müssen überführt und zur Verantwortung gezogen werden." Das Tor war im Zuge der eingeleiteten Sanierungsarbeiten auf der Grabstätte erst vor kurzem neu errichtet worden. Es verweist mit zwei Davidsternen symbolisch auf den jüdischen Hintergrund der im KZ-Außenlager Flößberg umgekommenen Opfer. In diese Davidsterne wurde jeweils ein Hakenkreuz gesprüht. Darunter hatten die unbekannten Täter den antisemitischen Spruch "Der Jude Sieg mit der Lüge und stirbt mit der Wahrheit" (Fehler im Original) hinterlassen.

Das Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald im "Großen Fürstenholz" in Flößberg wurde im November 1944 im Auftrag der Leipziger Rüstungsfirma Hugo-Schneider-Aktiengesellschaft (HASAG) errichtet und bestand aus zehn bis 14 Häftlingsbaracken sowie mehreren Bewacher- und Arbeitsgebäuden. Mehr als 1900 Häftlinge, zumeist ungarische und polnische Juden, zwangsverpflichtete Franzosen, Belgier und Holländer durchliefen bis Mitte April 1945 das Lager und mussten unvorstellbar schwer arbeiten.

In dem Lager sind mindestens 235 Menschen umgekommen, von denen 195 namentlich bekannt sind. 38 von ihnen wurden im Frühsommer 1945 in Einzelgräbern im Flößberger Wald neu bestattet, so entstand der "Flößberger Friedhof". 98 zumeist jüdische Opfer haben unmittelbar nach Kriegsende in Borna ihre letzte Ruhe gefunden. Die amerikanische Militärregierung hatte damals eine Exhumierung der in Massengräbern verscharrten Lagertoten angeordnet. Diese Grabstätte in der Lobstädter Straße in Borna wurde im April 2007 und zuletzt im Mai 2010 verunstaltet.

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