Neonazis feiern in Leipzig und Geithain erfolgreich Weihnachtserfolge

18.

Dezember
2011
Sonntag
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Sonntag, 18. Dezember 2011

Völlig entgegen dem krisenhaften Trend der "Freien Kräfte" und der "Jungen Nationaldemokraten" im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen zentrale Kader der Neonazistrukturen feiern diese in Leipzig Erfolg über Erfolg.

Wie einer Twitter-Meldung der Leipziger "Freien Kräfte" zu entnehmen ist, feierten die Nazis nicht einfach Weihnachten, sondern taten dies "erfolgreich". Wenn die Bewegung zum weihnachtlichen Kameradschaftstreffen lädt, dann aber bitte mit inhaltsschwerer Bedeutung. Chronik.LE vermutet, dass Familienkrach ausblieb, die Geschenke angemessen waren und die Bockwürste nicht allzu wässrig.

Trotzdem scheint die Feier bis zum Ende prekär geblieben zu sein - ob der Baum drohte, abzufackeln oder die Diskussion um den Coca-Cola-Gehalt des Weihnachtsmann-Mantels bis zum Ende angespannt blieb, ist (leider) unbekannt. Jedenfalls scheint es der Erwähnung Wert zu sein, dass die "erfolgreiche Feier" sogar noch "erfolgreich beendet" wurde. Hut ab!

Deutlich bemühter ging es dagegen bei den Kameraden in Geithain zu, obwohl diese einen deutlich längeren Bericht über ihre Feierei verfassten. Statt stattlicher Erfolgs-Erfolge gab es bei ihnen trockene Jahresend-Vorträge. Und wiederum bemühten sich die Neonazis, dem "modernen" Weihnachten (die Christianisierung der verschiedenen germanischen Stämme ist ja nun auch schon wieder ein paar Jährchen her) den volksverderblichen Charakter zu nehmen, um endlich wieder wie seinerzeit der Cherusker-Hermann das Julfest zu begehen.

Berichtet wird von Weihnachtsplätzchen, deutschen Weihnachtsliedern (wahrscheinlich deutlich jünger als 1000 Jahre), dem ebenfalls (nur vergleichweise) modernen Zimtgeruch. Die Anrufung des bekannten Cherusker-Hermanns, der es vor 2000 Jahren den "Heerscharen des römischen Imperiums" so richtig gezeigt hat, will damit noch nicht so recht zusammengehen. Über die Widersprüche hinweg helfen sollte wohl die Beschwörung der versammelten letzten Reste der Volksgemeinschaft ("Für uns Deutsche waren die zurückliegenden zwölf Monate eine Fortsetzung des schleichenden Niederganges von Land und Leuten, von Volk und Nation"). Außerdem gab es einen Jahresrückblick, der - immerhin - ein "gutes Zeichen" gewesen sein soll.

Ganz zum Schluss dann der Affront: Man wolle den "Trend der Professionalisierung und Modernisierung" fortsetzen! Was würde wohl Hermann dazu sagen, würde er so etwas statt in Stein gemeißelt im Internet lesen müssen? Und bei so vielen Widersprüchen: Wo bleiben da die Erfolge? Tipp fürs nächste Jahr: Einfach mit den Kameraden in Leipzig saufen und das ganze als Doppel-Erfolg (beim - Achtung! - durch und durch US-amerikanischen Netzdienst Twitter) verkaufen - macht mehr Spaß und weniger Mühe.

Es wünscht die Redaktion chronik.LE allen Leser_innen ruhige Tage. Mögen sich die Nazis auf Erfolge der Marke "Weihnachtsfeier" beschränken - nicht nur was die propagandamäßige Ausschlachtung angeht gibt es immer unbestelltes Feld, Steigerungs-Potential, bisher tautologiefreie Zonen. Wir denken zum Beispiel an den anstehenden Riesenerfolg beim Eiersuchen (100%ige Erfolgsquote durchaus schaffbar!) - natürlich erfolgreich ge(f)eiert!

Quelle: 

Twittermeldung des neonazistischen "Aktionsbündnis Leipzig", Bericht beim "Freien Netz Geithain", chronik.LE