Neulich in der LVZ: Wer klaut denn da? Die Rumänen.

08.

Februar
2010
Montag
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Montag, 8. Februar 2010

Die Leipziger Volkszeitung (LVZ) kann es einfach nicht lassen: Wenn die Polizei in ihrer täglichen Presseinformation die (mutmaßliche) Nationalität eines Tatverdächtigen erwähnt, übernimmt die Lokalredaktion das in der Regel penibel. Auch dann, wenn dies nichts zum Verständnis des Vorfalls beiträgt und nicht hilfreich für die Fahndung nach Tatverdächtigen ist. In folgendem Fall war eine Fahndung gar nicht erst notwendig, konnten die Täter doch noch vor Ort festgestellt werden:

"Pralinen und Bodylotion klaute ein rumänisches Trio in einem Reudnitzer Supermarkt" - so beginnt eine Meldung der LVZ Online vom 8. Februar 2010. Dem vorrausgegangen war eine Meldung der Polizei, in dem die Touristen als "drei rumänische Freunde" bezeichnet werden; ihr Vergehen, der Diebstahl von Schokolade, wird als Dreistigkeit bezeichnet. Die Männer erklärten, sie bräuchten das Geld für ihre Weiterreise.

Die nicht-sachgerechte Verknüpfung von Kriminalität mit nicht-deutscher Herkunft fördert und festigt bestehende rassistische Vorurteile in der Bevölkerung über "Ausländer". Der Pressekodex des Deutschen Presserates verlangt daher: "In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte." (Richtlinie 12.1 des Pressekodex)

Der geforderte "begründbare Sachbezug" bei der Nennung von ethnischer oder nationaler Zugehörigkeit fehlt in den Artikeln der LVZ über Kriminalität häufig. Wegen der pauschalen, ethnisierenden Berichterstattung über den so genannten "Disko-Krieg" hatte das Antidiskriminierungsbüro Sachsen (ADB) Ende 2007 beim Presserat eine Beschwerde über die LVZ eingereicht, die dieser jedoch im April 2008 ablehnte.

(Zur Kritik an der Zeitung in diesem Zusammenhang auch: Kontext und Bedeutung von »Leipzig toleriert… ein Zentralorgan« des Projekts "Leipzig-Aufsehen!".

Quelle: 

LVZ Online vom 08.02.2010, ADB-Newsletter 02/2008