Neulich in der LVZ: Völkerkunde im Sportteil

23.

Februar
2011
Mittwoch
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Mittwoch, 23. Februar 2011

In der Mittwochsausgabe der Leipziger Volkszeitung (LVZ) kommentiert Guido Schäfer das bevorstehende Spiel des Fußball-Drittligisten "RB Leipzig" gegen die Berliner Mannschaft "Türkiyemspor". Dabei lässt der Sportredakteur ausgesprochenes völkerkundliches Expertenwissen über "Türken" erkennen. Unter anderem heißt es, der Trainer von RB Leipzig „kennt und schätzt die Mentalität der Südländer: 'Für türkische Mannschaften sind Stolz und Ehre ganz wichtig'“. Des weiteren werden die Berliner als "heißblütige türkische Fußballer" bezeichnet.

Die ethnisierende Berichterstattung, die migrantische Berliner Fußballspieler auf ihre türkische Herkunft reduziert und im selben Atemzug vermeintliche kulturelle Eigenschaften zuschreibt, ist Ausdruck verbreiteter rassistischer Denkmuster. Weder gibt es eine "südländische" Mentalität, noch ist eine solche genetisch in Bürger_innen mit Migrationshintergrund, die in Berlin geboren und aufgewachsen sind, eingeschrieben. Die Beschreibung von Türken als "heißblütig" verfestigt Konstruktionen von Fremdheit und "Exotik", mit der ein angebliches Anderssein in Bezug auf "Deutsche" markiert wird. Die so Betitelten werden damit als nicht zur Mehrheitsgesellschaft zugehörig ausgeschlossen.

Quelle: 

LVZ vom 23.02.2011