Pfarrer kritisiert Ausschluss von Neonazis bei Benefizveranstaltung für Anschlagsopfer in Geithain

28.

Mai
2012
Montag
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Montag, 28. Mai 2012

Am Montag fand eine Benefizveranstaltung für den Betreiber eines Dönerladens in Geithain statt. Dieser war seit Jahresbeginn mehrfach durch Neonazis bedroht worden. Zuletzt wurde am 12. Mai auf sein Geschäft ein Sprengstoffanschlag verübt. Selbstverständlich waren daher bei der Veranstaltung "Solidarität mit Mohammad S." Neonazis als Gäste ausgeschlossen worden. Geithains Pfarrer Markus Helbig fehlt dafür jedoch jegliches Verständnis.

Die Benefizveranstaltung fand am 28. Mai in der Geithainer Nikolaikirche statt. Gegenüber der evangelischen Kirchenzeitung "Der Sonntag" erklärte der Pfarrer am 22. Juni, der Neonazi-Ausschluss sei für die Kirche "problematisch", da Kirchenräume laut einem Beschluss des Kirchenvorstandes "nicht für parteipolitische oder ideologische Zwecke missbraucht" werden dürften. Weiter forderte er, auch den Neonazis Nächstenliebe entgegenzubringen: "Wir begegnen auch Rechten mit Liebe."

Im Gegensatz dazu hatte Landespolizeipräsident Bernd Merbitz bei der Veranstaltung in der Nikolaikirche angekündigt: "Die Gangart gegen Rechtsextremismus wird härter werden". Merbitz wertete den Anschlag und andere Übergriffe als "Straftaten der schlimmsten Form". In Geithain würden Menschen gejagt. Für ihn käme daher eine "demokratische Diskussion mit Rechtsextremisten" nicht in Frage.

Dies sieht Pfarrer Helbig offenbar anders. Neonazis nicht auszuschließen, sondern ihnen auf Augenhöhe zu begegnen, war ihm bereits in der Vergangenheit ein wichtiges Anliegen. In der Auseinandersetzung um die Schließung des von Neonazis frequentierten Jugendclubs Syhra schrieb Helbig dem Geithainer NPD-Stadtrat Manuel Tripp einen offenen Brief, der im Amtsblatt der Stadt abgedruckt wurde. Darin folgen nach Versicherung einer "Kultur der gegenseitigen Achtung und des Respekts" zwar auch kritische Einwände auf Tripps völkische Ideologie. Getragen sind Helbigs Einlassungen jedoch von einer Naivität, die auch die größten Gegner von Demokratie und Freiheit noch unter dem Gebot von Gleichbehandlung und christlicher Nächstenliebe in eine befriedete Gemeinschaft einbeziehen will. Damit entpolitisiert der Geithainer Pfarrer nicht nur das außerordentliche Naziproblem in Geithain. Seine Einlassungen wirken vor allem respektlos gegenüber den Opfern dieser menschenverachtenden Ideologie.

Quelle: 

"Der Sonntag" vom 22.06.2012, LVZ-Online vom 29.05.2012; Amtblatt von Geithain Ausgabe 10/2010