Polizisten legen ausländischer Stundentin wegen falschem Verdacht Handschellen an

01.

August
2008
Freitag
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Freitag, 1. August 2008

Wegen Fluchtgefahr und zur "Eigensicherung der Beamten" haben Leipziger Polizisten Anfang August einer zierlichen Studentin aus Thailand Handschellen angelegt und sie auf dem Revier einer Leibesvisitation unterzogen. Anlass dafür war allein der - wie sich später herausstellte: unbegründete - Verdacht, sie habe in einem Kaufhaus in der Innenstadt mit Falschgeld zahlen wollen.

Die Prüfgerät des Kaufhauses hatte ihren 100-Euro-Schein als Blüte eingestuft, woraufhin die Polzei gerufen wurde. Aufgrund von "Missverständnissen" im Büro des Kaufhausdetektivs nahmen die Beamten plötzlich an, die Studentin wolle fliehen und legten ihr deshalb Handfesseln an. Auf dem Revier stellte sich wenig später allerdings heraus, dass der Geldschein doch echt war.

Öffentlich bekannt wurde der Vorfall erst im September durch eine Dienstaufsichtsbeschwerde des früheren Uni-Kanzlers Peter Gutjahr-Löser, der inzwischen das interDaF-Sprachinstitut der Universität leitet, an dem die Tochter einer thailändischen Unternehmerfamilie derzeit studiert. Die Beamten hätten mit ihrem überzogenen Vorgehen "den Ruf Leipzigs als weltoffene Stadt geschädigt", so sein Vorwurf. "Welcher Ausländer kommt nach Leipzig, wenn er Gefahr läuft, unschuldig gefesselt auf eine Polizeiwache verbracht zu werden?"

Auf die rassistischen Vorurteile der Polizei weist - unfreiwillig? - auch die LVZ mit dieser Einschätzung hin: "Eine ausländische Frau, ein gefälschter Geldschein - mag sein, dass der Fall für die Beamten nach Routine roch."

Quelle: 

LVZ vom 25.09.2008