Sprengstoffanschlag auf Pizzeria in Geithain - Neonazis hetzen gegen Betroffenen

12.

Mai
2012
Samstag
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Samstag, 12. Mai 2012

Eine Woche nach dem rassistischen Angriff auf die Pizzeria "Bollywood" in der Katharinenstraße, bei dem zehn Personen beteiligt gewesen sein sollen, kam es in der Nacht zum 12. Mai zu einem Sprengstoffanschlag auf den Laden.

Kurz nach Mitternacht explodierte unmittelbar vor der Pizzeria ein selbstgebauter Sprengsatz. Dabei sei laut Stuttgarter Zeitung die Einrichtung des Bollywood zerfetzt worden. Die Pizzeria war zu diesem Zeitpunkt geschlossen, aus den Wohnungen über dem Lokal mussten jedoch 15 Personen evakuiert werden. Dem Besitzer sei mit diesem Anschlag ein Schaden von 10.000 Euro entstanden - und es gab bereits mehr als vier Angriffe seit Beginn des Jahres gegen das Lokal.

Die Angreifer scheinen damit ihre Drohung gegenüber den Betreibern sowie ihren Angestellten wahr machen zu wollen: „Du bist Ausländer, Du musst hier von Geithain weggehen. Die Pizzeria musst Du zumachen, sonst machen wir Dich tot." hatten die Angreifer vergangene Woche gedroht. Nun wird das Restaurant vermutlich geschlossen bleiben, aus Angst vor weiteren Angriffen. Bisher gäbe es keine Verdächtigen, das Landeskriminalamt teilte jedoch mit, die "Sonderkommission Rechtsextremismus" habe übernommen, aber man ermittle zunächst „in alle Richtungen“.

Für die CDU-Bürgermeisterin der Stadt Geithain Romy Bauer steht fest, dass Neonazis aus der Stadt für die andauernde rassistische Gewalt verantwortlich sind. Sie spricht aus, was viele sich nicht trauen oder nicht sehen wollen: "Ja", es exisitere eine "rechtsextremistische Szene" in Geithain, "leider". Diese sei ihrer Meinung nach besonders stark geworden seit dem Eintritt des Neonazis Manuel Tripp in den Geithainer Stadtrat. Der parteilose Tripp ist auch Führungskader des neonazistischen Netzwerks "Freie Kräfte". "Getroffene Hunde bellen" sollte man meinen, wenn man dessen Reaktionen auf die Berichterstattung zur jüngsten Gewaltwelle in Geithain liest. Auf seiner Internetseite hetzt Tripp unter dem Titel "Stellungnahme zu den jüngsten Ereignissen in Geithain" gegen die "gleichgeschaltete Systempresse" und die Bürgermeisterin und denuniziert den Restaurantbesitzer als kriminellen Lügner.