Trauermarsch in Eilenburg wegen großem "Nazi-Aufgebot" abgesagt

01.

August
2009
Samstag
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Samstag, 1. August 2009

Wie der MDR berichtet, wurde am Samstagabend in Eilenburg ein geplanter Trauermarsch für die getötete Corinna abgesagt. Unter den 500 Menschen, die sich auf dem Marktplatz der nordsächsichen Stadt versammelt hatten, befanden sich auch 200 Neonazis. Die Veranstalterin, eine Frau aus der Nähe von Eilenburg, sagte den Gedenkgang daraufhin ab. Offiziell aus organisatorischen Gründen, tatsächlich aber, um den Neonazis keine Plattform zu geben, so die Delitzsch-Eilenburger Lokalausgabe der LVZ. Die Zeitung schreibt von einem "Nazi-Aufgebot aus Männern und Frauen in schwarzer Kleidung, viele mit kurzgeschorenem Haar". Das Gedenken wurde daraufhin in die evangelische Stadtkirche verlegt.

Nach Angaben der NPD Sachsen haben sich auch die versammelten "rund 150 volkstreuen Nationalisten" geschlossen an dem Friedensgebet beteiligt. Die Partei berichtet in einer Pressemitteilung - darin ist von einem "Friedhofsgebet" die Rede - davon, dass sich unter den Teilnehmer_innen auch "der NPD-Spitzenkandidat Holger Apfel, der Landtagsabgeordnete Jürgen Gansel sowie die NPD-Stadträte aus Eilenburg und Delitzsch, Kai Rzehaczek und Maik Scheffler" befanden. Diese hätten sich "als einfache Teilnehmer und Bürger der Region" an dem Schweigemarsch beteiligen wollen. Pfarrer Ralf Günter kritisierte in der Kirche mit Blick auf die NPD, dass politische Gruppen versuchten, das "schreckliche Verbrechen für politische Zwecke" zu missbrauchen.

Bereits am Mittwoch, kurz nachdem die Leiche des neunjährigen Mädchens gefunden worden war, hatten "Freie Kräfte" und Mitglieder der NPD einen Spontanaufmarsch in Eilenburg durchgeführt. Die Partei glaubt offenbar, mit dem "Fall Corinna" endlich ein kampagnenträchtiges Thema für den Landtagswahlkampf gefunden zu haben. Davon zeugen neben der persönlichen Anwesenheit des "Spitzenkandidaten Holger Apfel" bei der Gedenkveranstaltung am Sonnabend auch die zahlreichen Pressemitteilungen dazu seit dem Bekanntwerden des Verbrechens. Themen wie "die Forderung nach einem besseren Kinderschutz durch die Einführung einer 'Gefährderdatei Sexualstraftäter'" würden den "Nerv der Zeit treffen", lobt sich die Partei am 1. August mit Bezug auf ihre in großer Auflage verteilte Wahlkampf-Postille "Sachsenstimme". Die taz bezeichnet das als "Wahlkampf mit Vergewaltiger".

Quelle: 

MDR-Online vom 01.08.2009, LVZ Delitzsch-Eilenburg vom 03.08.2009, taz vom 03.08.2009, NPD Sachsen - PM vom 01.08.2009