Am Freitagabend kam es in Mügeln wieder zu mehreren Übergiffen und Bedrohungen, aber auch zu Angriffen gegen Polizisten. Dies ist in den vergangenen Wochen bereits mehrfach geschehen, wie der Kölner Stadt-Anzeiger unter der Überschrift "Wieder 'Verprügeln in Mügeln'" über den "Neonazi-Terror" in der nordsächsischen Kleinstadt berichtete.
Laut Polizeibericht habe sich gegen 23 Uhr ein 20-Jähriger bei der Polizei gemeldet, "da mehrere Personen gegen die Tür seines Wohnhauses am Altmarkt traten und ihn durch mehrfaches Klingeln sowie Rufen bedrohten". Kurze Zeit später sei dann auch aus einer Gaststätte am Altmarkt eine Körperverletzung gemeldet worden. Dort hatte ein 20-Jähriger einem 22-Jährigen ins Gesicht geschlagen und dabei vermutlich einen Schlagring benutzt. Dieser wurde laut Polizei beschlagnahmt. Im ersten Fall sei zudem gegen zwei Tatverdächtige im Alter von 20 und 22 Jahren Anzeige wegen Bedrohung erstattet worden. Bei ihrem Eintreffen auf dem Markt sahen sich die Beamten allerdings einer Gruppe vom etwa 25 bis 30 Personen gegenüber, die "Lärm verursachten, Feuerwerkskörper zündeten und Flaschen warfen". Daraufhin sei Verstärkung gerufen worden, insgesamt waren neun Funkwagen vor Ort. Der Polizeieinsatz habe bis 4 Uhr morgens gedauert. Um "Auseinandersetzungen innerhalb der Gruppierung" zu unterbinden, seien Personalien erhoben und Platzverweise ausgesprochen worden. Ein stark alkoholisierter 22-Jähriger habe sich dem widersetzt und versucht, die Polizisten anzugreifen, weshalb er vorläufig festgenommen wurde. Die Ermittlungsarbeiten dauern nach Polizeiangaben in allen Fällen noch an, ein politischer Hintergrund könne nicht ausgeschlossen werden. „Einige der Täter könnten dem rechten Spektrum zuzuordnen sein“, sagte der Pressesprecher der Polizeidirektion Westsachsen der Oschatzer Allgemeinen Zeitung. Der Geschädigte im ersten Fall sei "dem linken Spektrum zuzuordnen".
Laut einem epd-Bericht im Kölner Stadt-Anzeiger gibt es zwischen den im Polizeibericht erwähnten Vorfällen Verbindungen, es handele sich bei den Tätern jeweils um dieselbe Gruppe von Neonazis. Dies bestätigten weitere Augenzeug_innen gegenüber chronik.LE. So sei der in seinem Haus bedrohte junge Mann, der zum Umfeld des Vereins "Vive le Courage" gehört, zuvor auf der Straße von den versammelten Männern aufgefordert worden, "besser zu rennen". Später hätte die Gruppe vor dem Haus unter anderen "Sieg Heil"-Rufe und Holocaust-Verleugnungen skandiert, so ein Sprecher des Vereins. Auch habe es einige Drohanrufe bei nichtrechten Jugendlichen gegeben.
Der Vereinssitz von "Vive le Courage" war erst vor zwei Wochen von etwa 50 Neonazis angegriffen worden. Ein Polzeibeamter sprach damals von "bürgerkriegsähnlichen Zuständen". Die Angriffsversuche wiederholen sich seitdem jedes Wochenende, so der Vereinssprecher. Zudem gibt es nahezu täglich Drohanrufe von Nazis bei alternativen Jugendlichen.
Polizeimeldung PD Westsachsen vom 14.09.2009, Oschatzer Allgemeine Zeitung vom 15.09.2009, Kölner Stadt-Anzeiger vom 15.09.2009, Vive le Courage e.V.




