Nach WM-Achtelfinale: Jubelparade mit Beleidigungen

27.

Juni
2010
Sonntag
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Sonntag, 27. Juni 2010

Nach dem Sieg der deutschen Nationalmannschaft im Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft zogen mehrere Personen jubelnd zu Fuß und mit Fahrzeugen durch den Leipziger Osten. Als die kleine Parade an der Kreuzung Eisenbahnstraße/Idastraße einen Zwischenstopp einlegte, beschimpften die mit schwarz-rot-goldenen Fahnen und anderen Fan-Utensilien ausgestatteten Deutschland-Fans die Nutzer_innen des dortigen Wächterhauses, die gerade am offenen Fenster die Sonne genossen. Laut Augenzeug_innen wurden von der offenen Ladefläche eines Kleinlaster Beleidigungen wie "Ihr Dreckspack" gerufen. Unter den auf der Ladefläche geschwenkten Flaggen war auch eine schwarz-weiß-rote Reichsfahne.

Das Fahrzeug gehört zur Firma "Bautec" von Ronald Pohle. Der Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes Leipzig Ost ist seit 2009 Mitglied des Landtages. Ein von dem Politiker für den Wahlkampf genutztes altes Feuerwehrfahrzeug mit dem Spruch "Ronald Pohle - Eine gute Wahl für alle Brennpunkte!" fuhr bei der kleinen Parade unmittelbar hinter dem Kleinlaster, von dem aus die Wächterhaus-Bewohner_innen angepöbelt wurden.

Ob der Landtagsabgeordnete selbst an der Jubelparade teilgenommen hat, ist unbekannt. Auf eine Anfrage von chronik.LE zu diesem Vorfall hat der CDU-Politiker nicht reagiert. Fraglich bleibt, was er selbst von den Beleidigungen hält und was ihn mit der Flagge des Deutschen Kaiserreichs verbindet, die zunächst auch während des Nationalsozialismus als Nationalfahne diente und sich deshalb gerade bei Neonazis großer Beliebtheit erfreut.

Quelle: 

Augenzeug_innen, chronik.LE