Ausstellung "Auf dem Dienstwege..." vom 06. bis 24.09.2010 wochentags von 7 bis 21 Uhr im Foyer des Geisteswissenschaftlichen Zentrums (GWZ) der Universität Leipzig, Beethovenstraße 15, 04107 Leipzig.
Eröffnung der Ausstellung mit einem Einführungsreferat zur Geschichte des Antiziganismus am 6.09.2010 um 18:30 Uhr im Geisteswissenschaftlichen Zentrum (GWZ) der Universität Leipzig, Beethovenstraße 15, 04107 Leipzig.
Das Phänomen des Antiziganismus ist in westlichen Gesellschaften weit verbreitet und in Form von alltäglichen Ressentiments bis hin zu konkreten Angriffen äußerst wirkungsmächtig. In nahezu allen Staaten Europas werden Menschen als »Zigeuner« diskriminiert und teilweise verfolgt. Im Nationalsozialismus wurden Hunderttausende Roma und andere als »Zigeuner« Verfolgte aus ganz Europa deportiert und planmäßig vernichtet.
Die Initiative "Geschichte vermitteln" möchte mit der Ausstellung "Auf dem Dienstwege..." des weiterdenken e.V. über die historischen Hintergründe der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung von Leipziger Sinti und Roma informieren. In der begleitenden Veranstaltungsreihe wird es um Geschichte und Gegenwart des Antiziganismus in Deutschland und Europa gehen.
Ausstellung "Auf dem Dienstwege..."
Dokumente der Erfassung, Ausgrenzung und Deportation von Leipziger Sinti und Roma während des Nationalsozialismus
Die Ausstellung dokumentiert mit zahlreichen Dokumenten den Weg einer rassistisch motivierten Ausgrenzung von Menschen, die während des Nationalsozialismus als “Zigeuner” diskriminiert wurden, ihre Verfolgung und schließlich ihre Vernichtung. Dieser Prozess ereignete sich in aller Öffentlichkeit und innerhalb eines längeren Zeitraums. Die behördliche Erfassung erfolgte in enger Kooperation von Polizei und wissenschaftlicher Forschung, vor allem durch das damalige "Institut für Rassen und
Völkerkunde" an der Leipziger Universität.
Nach einer polizeilichen Erfassung, der oftmals Hinweise aus der Bevölkerung zugrunde lagen, durften die jeweiligen Aufenthaltsorte nicht mehr verlassen werden. Die Kleidung musste sichtbar mit einem "Z" gekennzeichnet werden. Auf den Entzug der Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten folgten letztendlich Deportation und Internierung. Die meisten der damals in Leipzig lebenden Sinti und Roma sind in die Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert worden. Viele mussten Zwangsarbeit verrichten, andere fielen der Vernichtungsmaschinerie sofort zum Opfer.
Die massenhafte Beteiligung fand ihren Weg vor allem über die alltägliche "Pflichterfüllung". Denunziationen wurden seitens der Behörden als "Anfragen" oder "Beschwerden" bearbeitet. Das Vokabular der Sacharbeiter zeugt dabei von einem tief verwurzelten Ressentiment und dokumentiert ganz
offen die Normalität all jener Verwaltungsakte, die über Leben und Tod von Menschen zu entscheiden hatten. Die Bereitschaft dazu kam keinesfalls plötzlich oder überraschend. Sie konnte sich stetig durch eine antiziganistische Grundstimmung innerhalb der Mehrheitsbevölkerung entwickeln. Der Weg von der Stigmatisierung bis zur Vernichtung nahmen dabei eine ganz eigene Dynamik an. Diese Ungeheuerlichkeiten offenbaren
sich uns heute in den vielen kleinen Schritten...
Eröffnung der Ausstellung mit einem Einführungsreferat zur Geschichte des Antiziganismus am 6.09.2010 um 18:30 Uhr im Geisteswissenschaftlichen Zentrum (GWZ) der Universität Leipzig, Beethovenstraße 15, 04107 Leipzig.
Die Ausstellung ist vom 06. bis 24.09.2010 wochentags von 7 bis 21 Uhr im Foyer des Geisteswissenschaftlichen Zentrums (GWZ) der Universität Leipzig, Beethovenstraße 15, 04107 Leipzig zu besichtigen.
Im Rahmen der Ausstellung finden folgende Veranstaltungen statt:
Geschichte, Gegenwart und Kritik des Antiziganismus
mit Markus End (Mitherausgeber des Sammelbandes "Antiziganistische Zustände")
Im Vortrag wird – nach einer kurzen Begriffsklärung – zunächst auf die lange Geschichte und die gewalttätige Gegenwart des Antiziganismus in Europa eingegangen. In einem zweiten theoretischen Teil werden Ansätze zu einer Theorie des Antiziganismus auf der Basis Kritischer Theorie
vorgestellt. Dabei wird insbesondere die Bedeutung der Kategorien "Arbeit", "Nation" und "Geschlecht" für die antiziganistischen Projektionen beleuchtet. Markus End promoviert am Zentrum für Antisemitismusforschung zur Struktur und Funktionsweise des modernen Antiziganismus.
Am 06.09.2010 um 18:30 Uhr im Hörsaal 2.0.10 Geisteswissenschaftlichen Zentrum (GWZ) der Universität Leipzig, Beethovenstraße 15, 04107 Leipzig.
Die "Anpassungsunwilligen" - Soziale Exklusion, Alltagsrassismus und rassistische Pogrome.
Aktuelle Situation der Roma in Tschechien und Ungarn
mit Miroslav Bohdálek (Kulturbüro Sachsen e.V.)
Keine ethnische Minderheit erfährt in den Länder der Mittel- und Osteuropa so viel Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt wie die Roma. Dies äußert sich im Alltag in verschiedenster Weise – von Beleidigungen bis zu Morden,
Diskriminierung am Arbeitsmarkt und bei der Wohnungssuche oder bei der Ausbildung. In den Medien wird nur über krasse Fälle, wie Brandanschläge auf Familienhäuser, berichtet. Von den Alltagsproblemen der Roma hört man
nichts – fehlende Ausbildung, hohe Arbeitslosigkeit und Verschuldung, gesundheitliche Probleme. Die Schuldfrage sei sowieso schon geklärt, lautet die öffentliche Meinung. Schuld sind die Roma selber – die Anpassungsunwilligen.
Am 20.09.2010 um 20 Uhr im Conne Island, Koburger Straße 3, 04277 Leipzig
Erna Lauenburger und die Familie Franz
Zwei Filme über die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus. Filmvorführung und Gespräch mit Jana Müller (Alternatives Jugendzentrum Dessau) und Siegfried Franz (Niedersächsischer Verband Deutscher Sinti e.V.)
Was mit Unku geschah – Das kurze Leben der Erna Lauenburger (35 Minuten) Erna Lauenburger, genannt Unku, war die Titelheldin des Ende der 1920er Jahre in Berlin spielenden Romans "Ede und Unku" von Alex Wedding. Eine Jugendgruppe des Alternativen Jugendzentrums Dessau zeichnet in diesem Dokumentarfilm den Lebensweg von Erna Lauenburger und ihr nahestehender Personen nach und beleuchtet den nationalsozialistischen Völkermord an Sinti und Roma.
Nicht wiedergekommen (52 Minuten)
Von 27 Angehörigen der Familie Franz überlebten lediglich vier Personen den nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma. Wald-Frieda Weiss, geborene Franz, erinnert sich an den Verlust ihrer Mutter, mit der sie gemeinsam viele Jahre in den Konzentrationslagern Lichtenburg und Ravensbrück litt, bis Franziska Franz in der Bernburger Gaskammer ermordet wurde, sowie an den geliebten Vater Gustav Franz, der im Konzentrationslager Mauthausen an den Folgen von Misshandlungen starb.
Anschließend werden Siegfried Franz (Niedersächsischer Verband Deutscher Sinti e.V.) und Jana Müller (Alternatives Jugendzentrum Dessau) über die Aufarbeitung und Anerkennung der Verfolgung von Sinti und Roma zur
NS-Zeit in der Bundesrepublik wie in der DDR aber auch über die noch heute andauernde gesellschaftliche Isolation sprechen.
Am 06.10.2010 um 19:30 Uhr im Conne Island, Koburger Straße 3, 04277 Leipzig
Kontakt:
Initiative "Geschichte vermitteln"
c/o Conne Island
Koburger Str. 3
04277 Leipzig
Email: geschichte@public-ip.org
Die Ausstellung und die Veranstaltungsreihe werden gefördert vom Bildungswerk Weiterdenken e.V. in Zusammenarbeit mit dem Conne Island, dem Referat für Antirassismus des StudentInnenRat der Universität Leipzig und der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig.




