»Wir für Leipzig« hetzt gegen Homosexuelle

Druckeroptimierte VersionAls Email versenden

16.

Juli
2016
Samstag

Die Betreiber des Twitter-Accounts »Wir für Leipzig« äußern sich in einer Nachricht homosexuellenfeindlich gegenüber dem Leipziger Christopher-Street-Day. Die Akteur_innen und Feiernden bezeichnen sie als "abartige Schwuchteln". Der Herabwürdigung fügen sie die Bemerkung "Jedem das Sein" bei. Ein Smiley - also ein Symbol für ein lächelndes Gesicht - schließt die Nachricht ab.

»Wir für Leipzig« ist eine vermeintliche Bürgerinitiative, welche im Nachgang an den Parteiausschluss eines NPD-Stadtrates entstanden ist. Weitere Informationen gibt es in der letzten Ausgabe der Leipziger Zustände vom Dezember 2016 auf den Seiten 28/29.

"Jedem das Sein" war die Inschrift des Eingangstors des Konzentrationslagers Buchenwald. Die Nazis hielten im KZ Buchenwald zwischen Juli 1937 und April 1945 rund 250.000 Menschen gefangen. Unter ihnen befanden sich Menschen aus über 30 Ländern. Neben Homosexuellen - dies könnte für die neonazistische Gruppierung »Wir für Leipzig« die Verknüpfung zwischen CSD und dem Schriftzug darstellen - waren politische Gefangene, Juden, Sinti und Roma sowie sowjetische Soldaten im KZ Buchenwald eingesperrt. Über 56.000 Menschen starben in Buchenwald. Sie wurden ermordet oder starben an den Folgen der Haftbedingungen.

Die Inschrift war so angebracht, dass sie von innen lesbar war. Die KZ-Häftlinge sahen somit zu jedem Lagerappell die Worten "Jedem das Seine lesen", dessen Bedeutung eine zynische war, vermittelte sie doch: "Jedem, was er verdient". Der Buchenwald-Überlebende Herbert Sandberg unterstrich den Zynismus der Inschrift treffend: "Uns den Tod, ihnen den Sieg, so verstanden die barbarischen Schöpfer die schmiedeeiserne Schrift."

»Wir für Leipzig« bezieht sich somit positiv auf die Verfolgung, Ermordung und Vernichtung von (u.a. homosexuellen) Menschen während des Nationalsozialismus.

Quelle: 

queer.de vom 19.07.2016: "Leipzig: Stadtrat hetzt gegen 'abartige Schwuchteln'"