250 Nazis bei Aufmarsch in Döbeln

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5.

Oktober
2013
Samstag

Am 5.10.2013 marschierten etwa 300 Nazis nahezu ungestört durch Döbeln, nachdem es zuvor bereits kleine Aufzüge in den mittelsächsischen Städten Leisnig und Waldheim mit jeweils 60 TeilnehmerInnen gegeben hat. Aufgerufen und wochenlang mobilisiert für den Aufmarsch hatte die Jugendorganisation der NPD, die Jungen Nationaldemokraten Mittelsachsen (JN). In der Vornacht des Aufmarsches kam es bereits zu einzelnen Angriffen von Nazis am Wettinplatz, woraufhin die Polizei einzelne Jugendliche nach Hause eskortierte.
Hintergrund des Aufmarsches mit dem Motto „Der Drang nach Freiheit – Gegen Repression und Polizeiwillkür“ bildete vermutlich das Verbot der Organisation „Nationale Sozialisten Döbeln“ (NSD) in Folge einer Hausdurchsuchung am 18.02.2013, bei der neben Propagandamaterial eine Vielzahl an Waffen, darunter Schusswaffen, gefunden wurden. Wie kurz solche Verbote jedoch greifen, zeigt sich im Übergang der Mitglieder des NSD in die Strukturen der JN.
Bei dem Aufmarsch mit Redebeiträgen lokaler Nazigrößen, wie dem Vorsitzenden der JN-Sachsen Paul Rzehaczek, waren neben Transparenten mit der üblichen Propaganda, auch ein Banner mit dem Hitler-Zitat „Menschenrecht bricht Staatsrecht“ zu sehen. Auffallend waren vor allem aber die zahlreichen Solidaritätserklärungen mit der griechischen Neonaziparty „Goldene Morgenröte“ (Chrysi Avgi).
Sowohl ein antifaschistisches als auch ein BürgerInnen-Bündnis („Döbeln bleibt bunt“) hatten zu Gegenprotesten mobilisiert, die Sächsische Zeitung spricht von insgesamt 700 DemonstrantInnen. Nachdem die antifaschistische Demonstration unter dem Motto „Aufwachen. Aufstehen. Dem Naziaufmarsch entgegentreten“ ihre Route beendet hatte, versuchten die TeilnehmerInnen zu den Kundgebungen des BügergInnenbündnis und damit in Sicht- und Hörweite des Naziaufmarsches zu gelangen. Doch selbst dies wurde von einem massiven Polizeiaufgebot immer wieder verhindert. Stellenweise gab es kleinere Blockadeversuche, welche aber durch massives Eingreifen der Polizei unterbunden wurden. Einige AnwohnerInnen kritisierten stark das harte Durchgreifen der Polizei, bei dem mehrere GegendemonstrantInnen verletzt und sogar JournalistInnen attackiert wurden.

Quelle: 

chronikLE, Sächsische Zeitung