Antisemitische Äußerungen bei AfD-Kundgebung in Borna

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1.

Mai
2020
Freitag

Die AfD-Kreisverband im Landkreis Leipzig veranstaltet am 1. Mai in Borna eine Kundgebung unter dem Motto "Unsere Grundrechte sind nicht verhandelbar". An dieser nehmen nur einige wenige Personen teil. Vor Ort interviewt ein Team von MDR-Exakt u.a. den stellvertetenden Kreisvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Jörg Dornau. Anlass sind mehrere Beiträge auf der Facebook-Seite des Kreisverbandes, welche Verschwörungserzählungen teilen und Antisemitismus befeuern. Dornau tut die entsprechenden Beiträge als bloße "Meinungen" ab, die man ja nicht unterstützen müsse, selbst wenn man sie teile.

Gegenüber einem weiteren Reporter mit versteckter Kamera äußern zwei Mitglieder des Kreisvorstandes bei der Kundgebung jedoch selbst antisemitische Versatzstücke. Die Rede ist von Bill Gates, von George Soros und der Bankiersfamilie Rothschild - kurz: dem "Finanzjudentum", dem "90 Prozent der amerikanischen Finanzen oder weltweiten Finanzen" gehören würden. Diese würden "alles steuern" und nach "Weltmacht" streben. Laut LVZ handelt es sich bei diesen AfD-Mitgliedern um den Schatzmeister des Kreisverbandes, Rainer Kanthack, und den Sicherheitsbeauftragten Matthias Heinich.

Für den fraktionslosen Stadtrat Reinhard Jöricke ist die Kundgebung ein großer Erfolg. Gegenüber der LVZ teilt er freudig mit: „Endlich ein 1. Mai ohne die Gewerkschaft, ohne die gewaltbereite Antifa, ohne die Linken und ohne die CDU.“ Jöricke wurde im vergangenen Jahr für die AfD in den Bornaer Stadtrat gewählt, musste die Fraktion jedoch nach einem Drohschreiben an den Vorsitzenden des DGB in der Region Leipzig-Nordsachsen verlassen.

Ein eingeleitetes Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung wird eingestellt.

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