Antisemitische Beschimpfungen nach Veranstaltung zur "Free-Gaza-Flotte"

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12.

Juli
2010
Montag

Am Montagabend veranstaltete die Linke.SDS-Hochschulgruppe Leipzig zusammen mit dem Institut für Philosophie und mehreren Vereinen im Hörsaalgebäude der Universität eine Podiumsdiskussion zum Thema Gaza und dem Angriff auf die sogenannte "Freedom Flotilla" am 31. Mai 2010. Dabei sollte die Linke-Bundestagsabgeordnete Inge Höger, die selbst an Bord eines der "Free Gaza"-Schiffe mitgereist war, über den "Angriff auf die Flottille, die Blockade des Gaza-Streifens und Perspektiven ihrer Aufhebung" sprechen.

Der Hörsaal war mit rund 250 Personen überfüllt, die Stimmung von Anfang an angespannt. Der angekündigte "Augenzeugenbericht" der Bundestagsabgeordneten verzögerte sich zunächst um etwa 20-30 Minuten, da ein Teil des Publikums die Bühne besetzte und mit Sprechchören, Piratenliedern und Konfetti seine ablehnende Haltung gegenüber Högers Darstellung der Ereignisse zum Ausdruck brachte. Auf einem Transparent wurde gefordert: "Den Linken Konsens brechen!"

Die israelsolidarischen Kritiker_innen wurden schließlich mit Hilfe der Polizei - die sich mit 20-30 Beamt_innen im Unigebäude bereitgehalten hatte - zum Verlassen des Hörsaals bewegt. Auch danach gab es weiter Zwischenrufe und Wortgefechte von Gegner_innen und Anhänger_innen Högers. Letztere beschimpften die Gegenseite unter anderem als "Faschisten". Mehrere Male verwies eine Vertreterin des SDS Personen, die sich ihrer Ansicht nach als Störer_innen hervorgetan hatten, des Saales und rief zur Durchsetzung dieser Verweise mehrmals die Polizei herbei.

Die Veranstalter_innen hatten zuvor schon mehreren aggressiv auftretenden Männern, die sich als Gegner der israelsolidarischen Protestierer zu erkennen gaben, den Zutritt zum Hörsaal verweigert. Fünf von ihnen bedrohten und beschimpften gegen 21 Uhr eine Person, welche die Veranstaltung vorzeitig verlassen hatte. Einer der Männer trug einen Button mit einer Darstellung Palästinas in den Grenzen von 1948 ohne Israel. Sie bauten sich vor dem als Israel-Freund ausgemachten Mann auf und bedrohten ihn mit den Worten: "Man sieht sich immer zweimal." Als die Gruppe durch eine Polizistin aufgefordert wurde, woanders hinzugehen, riefen sie dem zuvor Bedrohten noch "Dreckiger Jude!" zu.

Bereits am 2. Juni waren bei einer Demonstration von Anhänger_innen der "Free Gaza"-Bewegung in Leipzig antisemitische Parolen gerufen und Gegendemonstrant_innen attackiert worden.

Die israelische Marine hatte am 31. Mai mehrere Schiffe der sogenannten Friedens-Flotille daran gehindert, die von der israelischen Regierung verhängte Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Während der Erstürmung eines der sechs Schiffe waren neun Unterstützer der Free-Gaza-Bewegung getötet und weitere verwundet worden. Auch mehrere israelische Soldaten wurden teils durch Schüsse verletzt. Der Militäreinsatz, dessen genauer Ablauf umstritten ist, hatte international zu Kritik an Israel geführt.

Quelle: 

Augenzeugenbericht, Veranstaltungsankündigung des SDS Leipzig vom 08.07.2010, Ankündigung durch MdB Inge Höger, Jungle-World-Artikel über die "Helden der Gaza-Flotille auf Deutschland-Tour" vom 05.08.2010, Indymedia-Bericht über der Veranstaltung in Leipzig vom 13.07.2010