Antisemitischer Text in Bornaer Stadtjournal veröffentlicht

Druckeroptimierte VersionAls Email versenden

30.

April
2019
Dienstag

Im Bornaer Stadtjournal veröffentlicht der freie Mitarbeiter Gert Bundesmann einen Text unter dem Titel "Straßennamen in Borna (Teil 64.3). Kantstraße - Zwischen Nationalsozialismus und Aufklärung". Jenseits der Überschrift beschäftigt sich der Text allerdings nicht wie angekündigt mit Straßennamen, sondern mit dem Judentum und Jüdinnen_Juden.

Der Autor vermisst eine Bereitschaft zur Aufarbeitung des Holocaust von Seiten der Jüdinnen_Juden. Daran anknüpfend stellt er die Frage nach einer möglichen Mitschuld am Holocaust in den Raum und beantwortet diese auch: "Nach meiner Auffassung sind die Juden als Vertreter des Judentums weder allein (d.h. selbst) schuld an ihrem Unglück, noch sind sie völlig unschuldig daran." In dieser Argumentation wird Juden_Jüdinnen eine Mitschuld an ihrer systematischen Ausgrenzung, Unterdrückung und Vernichtung im Nationalsozialismus unterstellt. Den Vorwurf des Antisemitismus tut der Autor in diesem Zusammenhang als "völlig untauglichen Reflex" ab. Immerhin gelten Juden als "Inbegriff von Gier und Wucher, also genau jener Übel, die wohl allgemein am (ungezügelten) Kapitalismus verabscheut werden." Der Autor unterstellt damit in antisemitischer Manier eine bestimmte Wesenhaftigkeit der Juden_Jüdinnen.
Der Artikel wird durch antijüdische und antisemitische Zitate Intellektueller und Künstler illustriert. Zitiert werden Immanuel Kant, Richard Wagner, Johann Gottfried Herder, Johann Heinrich Pestalozzi, Georg Christoph Lichtenberg, Johann Gottlieb Fichte, Voltaire und Martin Luther.

Der Herausgeber vom Bornaer Stadtjournal distanzierte sich vom Artikel und beendete die Zusammenarbeit mit dem Autor Gert Bundesmann nach eigenen Angaben mit sofortiger Wirkung. Ebenso distanzierte sich der Bornaer Geschichtsverein, dessen Mitglied Bundesmann ist.

Der entsprechende Text wurde aus der Online-Ausgabe vom Bornaer Stadtjournal gelöscht. In Print-Version wurde die alte Ausgabe mit antisemitischem Text allerdings an alle Haushalte verteilt.

In der nächsten Stadtratssitzung am 13.05.2019 distanziert sich der Bornaer Stadtrat ebenfalls vom Text und spricht sich für Weltoffenheit und sowie gegen Rassismus und Antisemitismus aus.

Quelle: