Asyldebatte in Rackwitz: LVZ-Chef Delitzsch mit krudem Nazivergleich

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11.

September
2013
Mittwoch

In einem Kommentar in der Delitzscher Lokalausgabe der LVZ versuchte sich der Chefredakteur der Delitzscher Lokalausgabe, Frank Pfütze, in der Bewertung eines geplanten NPD-Aufmarschs in Rackwitz und der Gegenproteste. Dabei setzte er die Teilnehmenden einer antirassistischen Demonstration mit Neonazis gleich und verunglimpfte sie als "Abschaum".

In Rackwitz war es in den vorangegangenen Wochen zu Protesten gegen eine geplante Unterkunft für Asylsuchende gekommen. Wie andernorts auch, waren verschiedene Wortmeldungen und Argumenationen rassistisch, xenophob und menschenverachtend - auch innerhalb einer Bürgerinitiative, die sich gegen die Unterkunft gegründet hatte.

Abgesehen vom ersten Artikel zum Thema, begleitete ausschließlich der Chefredakteur der Lokalausgabe Delitzsch die Debatte für die LVZ. Frank Pfütze, selbst Rackwitzer, handelte sich dabei den Vorwurf wenig objektiver Berichterstattung ein. Unter anderem aufgrund der Auswahl der wiedergegebenen Stimmen und Positionen. Zu Wort kamen so gut wie ausschließlich Personen und Initiativen aus Rackwitz und mit der Sache befasste Verwaltungsmitarbeiter_innen und Politiker_innen. Das Anliegen antirassistischer Initiativen fand in den Artikeln kaum eine Darstellung und wurde von Pfütze immer wieder als "extremistisch" abgekanzelt. Pfützes Auseinandersetzung mit antirassistischen Positionen reichte so eben für inhaltsbefreite Plattitüden wie den Vorwurf, "Linke" würden das Asylthema "missbrauchen" - wofür auch immer. Gleichzeitig erwähnte der LVZ-Redakteur rassistische, xenophobe Wortmeldungen bspw. während einer Gemeinderatsversammlung nicht, was ein falsches Bild der Situation entstehen lässt.

Nicht zuletzt spitzt die LVZ-Berichterstattung die Auseinandersetzung um die Unterkunft zu auf eine Auseinandersetzung zwischen Rackwitzer_innen und Menschen von ausserhalb (Linke, Rechte, "Die da oben"). Ein solches "Wir gegen Die" taugt natürlich zur Stimmungsmache. Aber die Ernsthaftigkeit der Angelegenheit bleibt aussen vor, auch weil die rassistische Stimmungsmache und eine Auseinandersetzung mit selbiger unter den Dorfstammtisch fällt.

Inzwischen erhielt die LVZ für den Vergleich eine Rüge des Presserats:

Die Zeitung hat mit der Verwendung des Begriffs „Abschaum“ gegen Ziffer 9 des Pressekodex (Schutz der Ehre) verstoßen. Der Beschwerdeausschuss spricht eine öffentliche Rüge aus. Menschen als „Abschaum“ zu bezeichnen, verletzt sie in Ehre und Würde. (Presserat, Aktenzeichen: 0712/13/1)