B107-Protest als Säxit-Ritual

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27.

Juni
2021
Sonntag

Zum 15. mal sammelt sich ein harter Kern aus wenigen Dutzend Kritiker_innen der Coronamaßnahmen entlang der Bundesstraße 107. Wie jeden Sonntag stellen sie sich zwischen 10 und 11 Uhr mit Fahnen, Schildern und Transparenten an den Straßenrand.
Vertreten ist einmal mehr eine Spektrum von Neonazis, Verschwörungsanhänger_innen, Impfgegner_innen, Reichsbürger_innen und angeblichen friedensbewegten Personen. Ausdruck findet dies in den zahlreichen Reichs- und Wirmerfahnen, die von der Neonaziszene als Ersatzflagge für verbotene Symboliken und Fahnen genutzt wird. Die Reichsbürgerfraktion zeigt ihre Reichsfahnen mit der aufgedruckten Forderung nach Friedensverträgen, die es in ihrer Logik brauche, da die BRD ein immer noch von den Allierten besetztes und nicht souveränes Land darstelle. Der Pharmaindustrie wird unterstellt ebensowenig an gesunden Menschen interessiert zu sein wie die Rüstungsidnustrie an Frieden. Im Laufe der Proteste war sich bereits gegen einen angeblichen "Impffaschismus" ausgesprochen und sich im "3. Weltkrieg" gewähnt worden.
Häufiger sind auch Transparente der neonazistischen Grupperung "Freie Sachsen" zu sehen, die die Proteste gegen die Coronmaßnahmen zu vereinnahmen versucht und koordinierend auf das sachsenweite Versammlungsgeschehen einzuwirken sucht. Zum ersten mal wird dabei ein Transparent mit der Forderung nach einem "Säxit" am Grimmaer Kreisverkehr gezeigt. Diese Forderung, die angelehnt an den Austritt Großbritanniens aus der EU, zusammengesetzt aus den Wortbestandteilen aus "Sachsen" und "Exit" wurde ursprünlich satirisch von linker Bewegungsseite aus erhoben. Die dahinter stehende Kritik richtete sich gegen den in Sachsen vergleichsweise weit verbreiteten Rassismus und Neonazismus, der behördlicherseits jahrzentelang ignoriert, geleugnet und befördert wurde. Das umgekehrte Aufgreifen dieser Forderung in der Ezählung, dass Sachsen sich vom Rest der Bundesprebulik lösen solle, macht die "Freien Sachsen" als Sammlungsbewegung vor allem gegenüber dem Reichsbürgerspektrum mit seiner seit langem fabulierten Vision eines Königreichs Sachsen. Gleichzeitig bedient die SÄXIT-Forderung die Erzählung neonazistischer Initiativen wie "Zusammenrücken Mitteldeutschland" wonach Ostdeutschland den letzten Rückzugsraum für eine autochthone deutsche Bevölkerung im Sinne einer rassistischen Vorstellung von "Volkskörper" darstelle.

Quelle: 

chronik.LE