Blackface-Ehrung beim "Leipziger Firmenlauf"

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20.

Juni
2012
Mittwoch

Am Mittwoch fand in Leipzig der fünfte sogenannte "Firmenlauf" statt. Bei der Veranstaltung, die von der Commerzbank gesponsert wird, können sich Firmen über ihre teilnehmenden Mitarbeiter_innen als sportlich fitte und kreative Unternehmen öffentlich präsentieren. Zur "kreativsten" Firma wurde beim diesjährigen Lauf die Firma "AT Reisen" gekürt, die ihre Angestellten in "Blackface"-Verkleidung auf die Rennstrecke geschickt hatte.

Die Gewinner-Kostüme unter dem Motto "Kilimandscharo" waren u.a. dadurch gekennzeichnet, dass die Träger_innen, allesamt weiße Menschen, sich mit Farbe die Gesichter schwarz schminkten und zusätzlich schwarzhaarige Kraushaar-Perücken aufsetzten. Offensichtlich sollte diese Verkleidung Schwarze Menschen in Afrika abbilden. Der Zusammenhang zur Firma: AT-Reisen verkauft unter anderen "Erlebnis-Reisen nach Afrika". Ob die Commerzbank es ebenso kreativ gefunden hätte, wenn sich potentielle nicht-weiße Angestellte mal als typischer weißer Ostdeutscher verkleidet und angemalt hätten, ist nicht bekannt. Die rassistische Tradition des Blackfacing, in der die Verkleidung steht, führte jedoch zu heftigen Protesten gegen die Firma im sozialen Netzwerk Facebook. Die entsprechenden Fotos wurden daraufhin von der Internetseite der Firma, wie auch der Commerzbank entfernt.

"Blackfacing" geht auf eine rassistische Tradition aus dem 19. Jahrhundert zurück, bei der sich in Nordamerika weiße Menschen für kurze Bühnenstücke mit schwarzer Farbe bemalten und sich entsprechend ihrer Vorstellungen übertrieben gut gelaunt, tollpatschig, naiv oder auch devot verhielten. Sie reproduzierten damit rassistische Stereotype weißer über Schwarze Menschen. Die Praxis des "Blackfacing" spielte auch in weiteren Unterhaltungsmedien wie Spiel- und Trickfilmen, Comics sowie Werbeanzeigen und Produktetiketten eine Rolle. Auch in europäischen Staaten mit Kolonialgeschichte, wie etwa Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden und auch in Deutschland, gibt es Beispiele für die Kontinuitäten solcher kolonialer Verhaltensmuster.

Quelle: 

Facebook, chronik.LE