Brandanschlag auf AsylbewerberInnenheim in Eilenburg

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28.

Oktober
2008
Dienstag

In der Nacht von Montag auf Dienstag wurde gegen 1.30 Uhr ein Brandanschlag auf das AsylbewerberInnenheim in der Ziegelstraße in Eilenburg verübt. Die dabei verwendeten, mit Docht und Brandbeschleuniger versehenen Glasflaschen brannten auf dem Parkplatz vor der Flüchtlingsunterkunft ab. Die BewohnerInnen des Heims stammen unter anderem aus der Türkei, dem Iran, Irak, aus Vietnam und Indien. Glücklicherweise wurde niemand verletzt.

Am 18. Dezember teilten Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft Leipzig laut NPD-Blog und Delitzsch-Eilenburger LVZ mit, die Soko Rex habe den Anschlag jetzt aufgeklärt. Fünf Tatverdächtige im Alter zwischen 17 und 21 Jahren seien ermittelt worden. Als Tatmotiv hätten sie eine fremdenfeindliche Einstellung angegeben. Die Beschuldigten wurden vorläufig festgenommen, zu den Vorwürfen vernommen und zwischenzeitlich wieder auf freien Fuß gesetzt.

Bei der Durchsuchung ihrer Wohnungen sowie einer von der Gruppe als Treffpunkt genutzten Garage seien am 17. Dezember mehrere Gegenstände beschlagnahmt worden, die offensichtlich zur Vorbereitung des Anschlags verwendet wurden. Vier der jungen Männer seien bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten, hieß es weiter.

Zum Tathergang heißt es in der Pressemitteilung des LKA vom 18. Dezember:

Am Tatabend forderte der 21-jährige Haupttatverdächtige einen der Mittäter dazu auf, ihn zu einer Tankstelle zu fahren, um dort einen Behälter mit Benzin zu füllen. Danach trafen sich die jungen Männer in einer Garage, tranken reichlich Alkohol, füllten Benzin in Schnapsflaschen und machten sich mit einem PKW auf den Weg zum Asylbewerberheim. Hier warfen mindestens drei der Täter ihre vorbereiteten Molotowcocktails in Richtung der dort abgestellten Fahrzeuge. An einem PKW entstand dadurch ein leichter Lackschaden.

Bereits am 17. Dezember hatte das Internetportal "Freies Netz Nordsachsen" über die Verhaftung eines Eilenburger "Kameraden" mit Namen Markus und die Durchsuchung mehrerer Wohnungen und Garagen "ortsansässiger Nationalisten" berichtet. Die von "Nationalen Sozialisten" aus Delitzsch und Umgebung betriebene Internetseite wertete die Polizeiaktion als illegal und Fall von Gesinnungsjustiz. Bei der Durchsuchung der Garagen sei es möglicherweise vor allem um das "Ausspionieren der Räumlichkeiten" der Gruppe gegangen. Der zwischenzeitlich festgenommene Täter sei ein "Bauernopfer", dem man "finanziell und aktiv" zu Seite stehen werde. Alle "befreundeten Gruppen" wurden aufgerufen, "sich für eventuelle Protestaktionen bereit zuhalten. Wir überlassen keinen Kameraden den Fängen der Gesinnungsjustizschergen."

Zum Anschlag selbst heißt es mitfühlend beim "Freien Netz":

"Auch die Tat an sich erinnert eher an ein künstlich geschaffenes Angstbild im Hinblick auf die zu erwarteten Wahlerfolge in Nordsachsen. So ist schon bedenklich, dass ganze vier Versuche, das Asylheim zu treffen, ganze 50 Meter zuvor auf dem Parkplatz endeten. So kann man davon ausgehen, dass nie beabsichtigt wurde, das Heim als solches zu treffen. Es kann also maximal von einem Anschlag auf den Parkplatz eines Asylheimes gesprochen werden."

Polizei und "Systempresse" würden der Öffentlichkeit fälschlicherweise vorspielen, für die Asylbewerber habe "hohe Lebensgefahr" bestanden, so die um Aufklärung bemühte Nazi-Seite. Der Vorfall reihe sich ein "in die Kette der beginnenden Meinungsbildung und parallel laufender Wahlbeeinflussung im Hinblick auf das Superwahljahr 2009." Am 8. Dezember hatten NPD und "Freies Netz" bekannt gegeben, dass der ehemalige Kameradschaftsführer und "Freies Netz"-Initiator Maik Scheffler aus Delitzsch 2009 als NPD-Direktkandidat für den Landtag kandidieren will. Als "neuer Organisations- und Koordinationsleiter der NPD im Regierungsbezirk Leipzig" werde er "zusammen mit den freien Kräften sowie den parteigebundenen Kameraden aus Nordsachsen, Kreis- und Land Leipzig im neuen Jahr den Wahlkampf für das Superwahljahr 2009 einläuten und bestreiten". Dazu gehört anscheinend auch der Einsatz für die glücklicherweise gescheiterten Brandstifter von Eilenburg.

Quelle: 

lvz-online vom 28.10.2008, PM PD Westsachsen vom 28.10.2008, LKA Sachsen vom 18.12.2008, NPD-Blog vom 19.12.2008, LVZ Delitzsch-Eilenburg von 19.12.2008, "Freies Netz Nordsachsen" vom 17.12.2008