Brutaler Neonazi-Überfall nach Fußballspiel der BSG Chemie Leipzig fordert Schwerverletzten

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4.

Oktober
2009
Sonntag

Am Sonntagnachmittag kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen militanten Neonazis und Hooligans und Fans des Fußballvereins BSG Chemie Leipzig, meldete die Leipziger Volkszeitung am 9. Oktober. Ein Anhänger der BSG Chemie wurde schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert, nachdem er von einem Auto angefahren wurde. Wie die ag.doc und die Faninitiative Bunte Kurve in einer gemeinsamen Pressemitteilung berichten, waren die Angreifer bewaffnet und gingen äußerst brutal vor.

Demnach hätte sich im Anschluss an das Kreisklassespiel zwischen der BSG Chemie und dem SSV Kulkwitz eine Gruppe von 15 bis 20 Neonazis an einer Tankstelle gegenüber dem Sportplatz formiert. Die Täter werden von Augenzeug_innen dem Umfeld von NPD und „Freien Kräften“ zugerechnet, darunter sollen auch die NPD-Stadtratskandidaten Enrico Böhm und Tommy Naumann gewesen sein. Sie griffen die Chemie-Fans mit Pfefferspray, Holzknüppeln, abgebrochenen Glasflaschen und Eisenstangen an. Bereits zuvor war ein Chemie-Fan an einer Bushaltestelle in der Merseburger Straße von fünf der späteren Angreifer angepöbelt und gejagt worden.

Im Zuge des Angriffs wurde ein Chemie-Fan von einem Pkw der Täter mit einer Geschwindigkeit von etwa 40 km/h angefahren. Das Opfer, das zunächst in die Luft geschleudert und zu Boden gestürzt war, konnte anschließend seine rechte Körperseite und seinen Rücken nicht mehr spüren. Im Krankenhaus musste sich der Angefahrene einer Notoperation unterziehen. Er trug schwere Knieverletzungen davon und kugelte sich eine Schulter aus. Laut Pressemitteilung waren zur Tatzeit gegen 17:10 Uhr keine Polizeikräfte mehr vor Ort. Die Angreifer flüchteten unmittelbar nach dem Vorfall in mehreren Pkw. Laut Leipziger Volkszeitung könne die Polizei noch nicht sagen, ob es sich um eine gezielte Aktion oder einen Unfall infolge einer Panikreaktion handele. Weiterhin hätten die Kameras der Tankstelle keinen Aufschluß gegeben, da sie zur Tatzeit abgeschaltet waren. Auch habe die Polizei noch keine Aussagen von Beteiligten oder Augenzeug_innen (Stand 9.10.).

Gegenüber der Leipziger Volkszeitung vom 7.10. distanzierte sich Steffen Kubald, Präsident des 1.FC Lokomotive Leipzig, von den Tätern. "Das hat mit unserem Verein nichts zu tun", so Kubald. Kubald hob die politische Motivation der Tat hervor: "Das ist eine Auseinandersetzung zwischen rechts und links." Die Leipziger Neonaziszene instrumentalisiert den lokalen Fußball gezielt, um die eigene Ideologie zu verbreiten und Anhänger zu rekrutieren. In einem Dossier der Wochenzeitung DIE ZEIT wurde unlängst die Unterwanderung der Fanszene des 1. FC Lokomotive Leipzig von Neonazis und dabei die maßgebliche Rolle Enrico Böhms aufgezeigt. Fans der BSG Chemie Leipzig dienen den Neonazis als Feindbild, da sie sich aktiv gegen Rassismus und Diskriminierung einsetzen. Sie wurden wiederholt Opfer von neonazistisch motivierter Gewalt. So musste am 3. Januar dieses Jahres ein Fan der BSG Chemie nach einem Neonazi-Überfall mit Verdacht auf Schädelbasisbruch ins Krankenhaus eingeliefert werden.