Burschenschafter sorgen im Hauptbahnhof mit dem Singen des vollständigen "Deutschlandliedes" für Aufsehen

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15.

Juni
2013
Samstag

Bei einer Burschenschaftsfeier im Preußischen Wartesaal im Leipziger Hauptbahnhof wird u.a. das "Deutschlandlied" mit allen Strophen gesungen, außerdem soll es zu weiterem "Vaterlands-Gedöns" (LVZ, 19.06.2013) gekommen sein, wie Ohrenzeugen berichten.
Um welche Burschenschaft es sich handelt ist nicht bekannt. Die Veranstaltung wurde von einer Privatperson als 160-Jahrsfeier angemeldet.
Es kam zu Beschwerden von Reisenden und Mitarbeiter_innen der angrenzenden Buchhandlung. Eine Sprecherin der vermietenden Antons OHG Leipzig kündigt daraufhin an, "Wenn wir mit derartigen Veranstaltungen in Verruf kommen, werden wir künftige dieser Art abblocken".
Es soll im Vorjahr schon einmal zu einem ähnlichen Vorfall gekommen sein.
Die erste Strophe des Liedes wurde während des NS bei offiziellen Anlässen gesungen. Sie beinhaltet u.a. die Textzeile: "Deutschland, über alles in der Welt" und beschreibt die Grenzen Deutschlands von "von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt". Das so umrissene Gebiet geht weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Das Lied mit allen Strophen gesungen drückt daher eine nationalistische, geschichts- und gebietsrevisionistische Haltung aus.
Als Reaktion auf diesen Vorfall wurde den Burschenschaftern ihr am 12.10.2013 stattfindendes "feierliches Festkommers" im Preußischen Wartesaal verwehrt. Anlass dieser Feierlichkeit sind der 200. Jahrestag der Völkerschlacht und das 100-jährige Bestehen des Völkerschlachtdenkmals.

Quelle: 

LVZ vom 19.06.2013