Colditz: Nazis bedrohen Kundgebung der Kampagne "Meine Stimme gegen Nazis"

Druckeroptimierte VersionAls Email versenden

22.

August
2009
Samstag

Eine Kundgebung der Initiative "Meine Stimme gegen Nazis" in Colditz wurde durch die massive Präsenz gewaltbereiter Neonazis gestört. Die am Veranstaltungsort, dem Colditzer Markt, anwesenden und weitere patroullierende Neonazis erzeugten einen permanenten Angstraum, berichten die Anwesenden, darunter die Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz sowie die Bundestagsabgeordnete Monika Lazar.

Bereits beim Aufbau von Infoständen und Musikanlage fuhren mit Nazis besetzte Autos am Kundgebungsort auf und ab. Etliche Nazis trugen explizite Naziparolen wie "Good night left side" und "Todesstrafe für Kinderschänder" auf ihrer Kleidung. Gegen 16 Uhr begann schließlich die Veranstaltung während der sich ca. 20 Neonazis permanent in der Nähe der Bühne aufhielten. Die anwesenden Polizeikräfte sahen - trotz Aufforderung durch Vertreter_innen der Initiative - keinen Grund, die Personen der Veranstaltung zu verweisen, und so die Bedrohungssituation zu beenden. “Solange nischt bassiert ist, gibts keen Grund, einzuschreidn”, sollen Polizeikräfte geäußert haben, wie Kerstin Köditz auf ihrer Homepage berichtet.
Über zwei Stunden wurden trotz der bedrohlichen Präsenz der Nazis Redebeiträge gehalten und Live-Musik gespielt. Unter den ca. 30 Besucher_innen fanden sich nur wenige Colditzer_innen. Zur eigenen Sicherheit verließen die Kundgebungsteilnehmer_innen gegen 18 Uhr gemeinsam den Marktplatz. Angesichts der sie verfolgenden Nazis mussten die Auswärtigen mit Polizeischutz aus der Stadt geleitet werden.

"Colditz war krass", schätzt die Initiative "Meine Stimme gegen Nazis" ein. "Was viele als 'Angstzone' aus Erzählungen und Texten kennen, ist hier Realität". Seit Jahren schaffen es Neonazis, das Stadtklima in Colditz maßgeblich zu beeinflussen. Die außerordentliche Situation zeigen einige massive Gewalttaten seit dem vergangenen Jahr:
Bereits im Februar 2008 randalierten rund hundert Personen der regionalen Neonaziszene und zerstörten ein Elektrogeschäft - nur wenige Tage, nachdem Neonazis mehrere Jugendliche in Autos kilometerweit über eine Landstraße verfolgten, stoppten, deren Auto demolierten und sie mit dem Tode bedrohten. Auch Silvester attackierten dutzende Personen öffentliche Gebäude und erneut das Elektrogeschäft. Erst im Mai wurden die Räume des alternativen Vereins "Freiräume Muldental" verwüstet.