Connewitz: Statement gegen Femizide überschmiert

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12.

April
2020
Sonntag

Unbekannte haben zwischen Sonntag und Montag ein Graffiti, das sich gegen Femizide richtet, übermalt. Das Graffiti mit dem Spruch "FEMIZIDE STOPPEN WELTWEIT" wurde erst kurz zuvor an der Unterführung in der Nähe des Conne Island angebracht. Die feministische Bibliothek MONAliesA schreibt dazu:

Aktivistinnen haben in Gedenken an die vor einigen Tagen in Leipzig ermordete Frau einige Unterführungen am Leipziger Auwald geweißt. Sie sollen mahnen, erinnern, laden zum Gedenken ein, können aber auch beim täglichen Spaziergang mit Worten gefüllt werden.

#keinemehr

Am 8. April wurde ein Frau durch ihren Ex-Freund im Bereich des Parkplatz Neue Linie angegriffen und so schwer verletzt, dass sie am Folgetag an den Verletzung verstarb.

Misogynie: Instrument zur Aufrechterhaltung der patriarchalen Ordnung
Mit dem Überschmieren des Spruchs "FEMIZIDE STOPPEN WELTWEIT" soll den Aktivistinnen und auch Frauen im Allgemeinen ihr gesellschaftlich zugeschriebener Platz entsprechend ihrer gesellschaftlich zugeschriebenen Rolle – passiv, hinnehmend und sexuell verfügbar – im Patriarchat zugewiesen werden.

Die Unbekannten versuchen, das Agieren von Frauen, ihr Abweichen und Aufbegehren gegen patriarchale Strukturen, zu sanktionieren. Das Überschmieren ist dabei ein zurechtweisendes und bestrafendes Mittel, um das Aufbegehren gegen Gewalt gegen Frauen und Femizide unsichtbar zu machen. Hinter dem Agieren der Unbekannten steckt folglich ein misogyner Akt.

Mehr zu Misogynie im Artikel "Einzelfall, tragisches Schicksal oder selbst Schuld? Frauenmorde und ihre rassistische Verwertung" (S. 40-42) von Naomi Shibata und Lena Kirsch in der 2019er Ausgabe der »Leipziger Zustände«.