Corona-Demo in der Leipziger Innenstadt

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19.

September
2020
Samstag

Nach längerer Pause findet am Samstag in Leipzig eine sogenannte "Hygiene-Kundgebung" und -Demonstration statt. Organisiert wird diese von der "Bewegung Leipzig", welche seit neuestem den Namenszusatz "Querdenken 341" trägt. An der Veranstaltung auf dem Leipziger Marktplatz nehmen ca. 250 Personen teil. Die "Bewegung Leipzig - Querdenken 341" ist mit einem Infostand deutlich sichtbar, an dem T-Shirts verkauft werden. Der Infostand wird u.a. von Achim L. betreut, der in der Wurzner Straße ein Karatestudio betreibt. Am Infostand liegen Flyer aus, welche zwischen einer "echten Pandemie" und einer "Fake Pandemie" unterscheiden. Mit den darin aufgeführten Punkten wird die COVID-19-Pandemie verharmlost und bagatellisiert.

Die Veranstaltung wird von moderiert von Nils Wehner, einem zentralen Akteur der "Bewegung Leipzig - Querdenken 341". Er meldete am 29.08.2020 eine der Veranstaltungen in Berlin an.
Erster Redner der Kundgebung auf dem Markt ist der Hannoveraner Kriminalhauptkommisar Michael Fritsch. Er erlangte bundesweite Bekanntheit nach einem Auftritt bei einer "Hygiene-Demonstration" in Dortmund im August 2020. Dort phantasierte er vom kommenden Umsturz und verglich den Nationalsozialismus mit der aktuellen bundesdeutschen Politik. Bei der Rede in Leipzig zitiert er viele Paragraphen, bekommt aber wenig Applaus.
Danach folgen die "Corona-News", welche hauptsächlich auf die Verharmlosung von Covid-19 abzielen und konformistisch-rebellisch aufwarten.
Zweiter Redner ist der Leipziger Anwalt Ralf Ludwig. Netzpolitik.org veröffentlichte wenige Tage zuvor eine Recherche, nach der Ludwig im undurchsischtigen Spendengeflecht der Corona-Verharmloser_innen und -Leugner_innen eine zentrale Rolle spiele. Auch Ludwig reißt das Publikum nicht mit, er hält eine eher trockene Rede. Applaus bekommt er für die Verortung der "Bewegung Leipzig" als "rechtsoffen". Schließlich sei es wichtig mit allen Menschen zu sprechen. Abschließend kündigt er eine bundesweite Querdenken-Demonstration für den 07.11.2020 in Leipzig an.
Dritter Redner ist der Autor Hermann Ploppa, der einen eigenen Bücherstand mitgebracht hat. Laut ihm würden die vom Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlichten Zahlen zu COVID-19-Infizierten nicht stimmen, in Wirklichkeit sei das Virus und die Pandemie gar nicht so gefährlich. In anderen Ländern seien Masken Foltermethoden. An eine Pandemie, die länger als ein halbes Jahr gedauert habe, könne er sich nicht erinnern, daher könne es so etwas nicht geben. Ploppa spricht sich für direkte Demokratie aus und spielt implizit auf George Soros an - dieser müsse natürlich gestoppt werden. Russland sieht er als natürlichen Verbündeten an und schlägt einen "Dexit", also einen Austritt Deutschlands aus der EU vor.
Nach einen Schlusswort von Nils Wehner beginnt ein "Tanzspaziergang" durch die Innenstadt. Es laufen Reggae und Schlager. An einigen wenigen Stellen skandieren die Teilnehmenden "Freiheit" und "Frieden". Neben den vereinzelten Sprechchören entfaltet der Spaziergang keine größere Außenwirkung, er mutet eher skurill an.

Protest gegen die Veranstaltung hatte Leipzig nimmt Platz organisiert. Hier waren zwischenzeitlich ca. 150 Personen anwesend.