Delitzsch: Jüdischer Friedhof geschändet

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3.

April
2010
Samstag

Am Osterwochenende wurde der jüdische Friedhof in Delitzsch geschändet. Die bislang unbekannten Täter_innen haben laut Polizei in der Nacht zum Sonnabend die Tür zum Friedhof aufgehebelt, eine Gedenktafel zerschlagen und alle Grabsteine umgeworfen. Die Verwüstung war um 5.15 Uhr von einer Streifenwagenbesatzung bemerkt worden. Der jüdische Friedhof zählt laut LVZ Delitzsch-Eilenburg zu den Überwachungsschwerpunkten in der Stadt.

Der Polizeichef der Stadt, Uwe Greischel, schloss trotz des offenbar zielgerichteten Vorgehens einen politisch motivierten Hintergrund gegenüber der LVZ zunächst aus: „Es gibt dafür keine Anzeichen. Wir hatten viele Feiern und Feste am Osterwochenende. Möglich, dass hier Alkohol der Auslöser war." Was ihn zu dieser Vermutung veranlasst und weshalb dies gegen eine antisemtische Motivation der Täter_innen sprechen soll, teilte der Polizeioberrat nicht mit. Immerhin ermittelt nun der Statsschutz wegen Störung der Totenruhe.

Nach LVZ-Angaben war es nach 1938 und 1976 das dritte Mal, dass der 1861 eingerichtete Friedhof geschändet wurde. Beim Novemberpogrom 1938 war eine erst 1928 errichtete Feierhalle samt Kuppel mitsamt einigen Grabsteinen zerstört und danach abgerissen worden.

Quelle: 

Bild-Online vom 06.04.2010, LVZ Delitzsch-Eilenburg vom 07.04.2010, PM der PD Westsachsen vom 6.4.2010