Delitzsch: Schwerverletzte nach Naziübergriff auf Konzertbesucher

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18.

März
2012
Sonntag

Am Sonntag morgen gegen 6.15 Uhr wurden in Delitzsch acht Personen von Neonazis brutal angegriffen und zum Teil schwer verletzt.

Die Gäste eines Konzerts im delitzscher Jugenhaus YOZ, unter ihnen der Konzertveranstalter, seine Freundin sowie zwei Musiker aus Tschechien, hatten die Veranstaltung gerade verlassen, als sie einen Neonazi bemerkten der aufgeregt telefonierte. Kurz darauf wurden sie in der Nähe des Nordplatz von ca. 20 Neonazis unwillkürlich und äußerst brutal angegriffen und zusammengeschlagen. Offenbar hatten es die Angreifer gezielt auf den Konzertverantalter abgesehen, sein Name und "Wir kriegen dich!" wurde mehrmals gerufen. Bei dem Überfall kamen auch Waffen zum Einsatz: Ein Musiker wurde mit einer Glasflasche bzw. einem Schlagring so schwer am Auge verletzt, dass er ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wurde er mehrfach am Auge operiert, mit hoher Wahrscheinlichkeit wird er jedoch einseitig erblinden. Der Konzertveranstalter und seine Freundin erlitten durch Schläge ins Gesicht und Tritte "erhebliche Verletzungen".

Laut den Betroffenen waren unter den Angreifern mehrere stadtbekannte Neonazis. Der lokale Neonazisszene ist das YOZ und seine eher links-alternativen Besucher_innen seit Jahren ein Dorn im Auge bei dem Versuch, eine so genannte "Nationalbefreite Zone" zu etablieren. Schon 2000 hatten 50 Neonazis Besucher_innen eines Konzerts im YOZ brutal angegriffen und verletzt. Schon damals wurde den offiziellen Vertreter_innen der Stadt Delitzsch vorgeworfen einen "Pakt mit Nazis" geschlossen zu haben. Auch im Jahr 2012 sind die Reaktion der Stadt eher schockierend (Radiobeitrag zu Reaktionen der Stadt auf Angriff).

Während einer antifaschistischen Demonstration am 25. März mit 250 Teilnehmer_innen wurde gegen die Omnipräsenz von Neonazis in Delitzsch und ihre andauernden Einschüchterungen und Angriffe auf alternative junge Menschen protestiert. Zeitgleich zur Demonstration hatten sich etliche lokale Neonazis versammelt um die Teilnehmer_innen zu provozieren und abzufotografieren. Anwesend war auch Maik Scheffler, eine Schlüsselfigur der delitzscher Naziszene. Die Veranstalter_innen werten die massive Präsenz der Neonazis als "Versuch die eigene Hegemonie aufrechtzuerhalten". „Die alltägliche Bedrohung durch Nazis, die unter anderem nicht-rechte Menschen in sächsischen Orten zu spüren bekommen, ist unerträglich. Noch unerträglicher ist allerdings die Reaktion der Delitzscher Stadtpolitik, die einem Betroffenen des Übergriffs unmissverständlich zu verstehen gegeben hat, dass er selbst schuld sei, wenn er sich öffentlich gegen Nazis positioniere.“ so die Organisator_innen der Demonstration.