Diskriminierende Beleidigung vor Fußball-Derby

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16.

September
2012
Sonntag

Vor dem Stadtteilderby der Männerteams zwischen der BSG Chemie Leipzig und der SG Leipzig-Leutzsch beleidigte ein Chemie-Fan einen Polizisten als "Spasti".

Im Verlaufe des Gerichtsprozesses im April 2013 gaben die Beteiligten verschiedene Darstellungen des Ereignisses wieder. Nach Angaben des Chemie-Fans wurde er durch einen Polizisten auf dem Weg zum Leutzscher Rathaus an eine Hauswand gedrückt. Als er dann den Beamten fragte, was das solle, sei ihm "Spasti so rausgerutscht." In der Gerichtsverhandlung entschuldigte sich der Mann für die abwertende Äußerung.

Ursprünglich bezieht sich die Bezeichnung abwertend auf Betroffene des Krankheitsbildes "Spastik" bzw. "Spastizität". Oft richtet sie sich auch beleidigend gegen Menschen mit Behinderungen allgemein. Die Verwendung drückt eine unerwünschte Abweichung von Erwartungen und sozialen Normen aus, die Menschen mit Behinderung als anders bzw. anormal wahrnimmt.

Der konkrete Fall zeigt, dass sich die Verwendung der diskriminierenden Bezeichnung als Beleidigung mittlerweile oft von dem ursprünglichen Zusammenhang gelöst hat. Ziel ist in erster Linie die Abwertung des Gegenübers, unabhängig von dessen körperlicher Disposition. In der gesellschaftlichen Zuschreibung und Anerkennung der Bezeichnung als Schimpfwort schwingt jedoch die weit verbreite gruppenbezogene Abwertung von Menschen mit Behinderung nach wie vor mit.