Eilenburg: Angeblich NPD-Schulungszentrum eröffnet

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31.

Oktober
2010
Sonntag

Die NPD Nordsachsen behauptet am Sonntag auf ihrer Webseite, dass sie in Eilenburg ein zweites "Nationales Schulungs- und Begegnungszentrum" eröffnet habe. Erst kürzlich wurde die Eröffnung eines solchen "Zentrums" in Delitzsch vermeldet. Nach Angaben des sächsischen Verfassungsschutzes ist es dagegen fraglich, ob die Partei tatsächlich ein Schulungszentrum in Eilenburg eingerichtet habe. Auch den örtlichen Behörden ist ein solches Zentrum nicht bekannt. Nach einem LVZ-Bericht vom 16.11. handele es sich bei dem angeblichen Eilenburger "Zentrum" um einen Raum in einer Gaststätte im benachbarten Doberschütz. Dieser wurde von Nazis für eine Privatveranstaltung genutzt, so Stadtsprecher Heiko Leihe gegenüber der LVZ. Diese Privatfeier habe die NPD anschließend "zur Begegnungsstätte stilisiert". Laut Polizei-Revierleiter Peer Oehler sei "kein Schulungszentrum der NPD in Eilenburg bekannt".

Die als Geburtstagsfeier angemeldete Eröffnungsveranstaltung, die von "Freien" Nazikadern aus Nordsachsen und Saalfeld sowie JN- und NPD-Aktivisten (u.a. Kai Rzehaczek und Maik Scheffler) initiiert wurde, ist nach deren Angaben von ca. 120 Gästen besucht worden. Der Verfassungsschutz spricht dagegen von nicht mehr als 60 Personen. Die Nazis kündigten an, das "Zentrum" künftig verstärkt für Veranstaltungen zur Schulung und Mitgliedergewinnung, auch im Hinblick auf die Kommunalwahlen 2014, nutzen zu wollen.

"Mit ihren überzogenen Verlautbarungen möchte die NPD samt ihrer verbündeten Kräfte der Öffentlichkeit und den eigenen Anhängern einmal mehr suggerieren, dass es sich bei ihr um eine starke und aktive Organisation mit vermeintlich hoher Akzeptanz und Wahrnehmung handelt", so die Einschätzung des Verfassungschutzes.

Quelle: 

Mitteilung des Verfassungsschutz Sachsen vom 05.11.2010, LVZ vom 16.11.2010, NPD Nordsachsen vom 01.11.2010, Freies Netz/Aktionsbüro Nordsachsen vom 01.11.2010