Erneut Nazis bei Spiel der BSG Chemie Leipzig / problematische Presseberichterstattung

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3.

Mai
2009
Sonntag

Im Umfeld des Spiels der BSG Chemie Leipzig bei der SG Lausen II ist es am 3. Mai 2009 erneut zu neonazistischen Provokationen und Übergriffen gekommen, berichtet die "Arbeitsgruppe zur Dokumentation von Diskriminierung und rechter Gewalt im Umfeld der Leipziger Fußballfanszene" (ag doc). Während der Partie der 13. Liga fiel im Publikum eine Gruppe von 20 Neonazis, darunter mindestens ein Kader der „Freien Kräfte Leipzig“, durch rassistische Parolen und das Tragen der in Neonazi-Kreisen beliebten Kleidungsmarke „Thor Steinar“ auf. Auf der Anzeigetafel ließen sie eine „88“, den Code für „Heil Hitler“, erscheinen. Als Anhänger von "Chemie" die Nazis aufforderten, den Platz zu verlassen, kam es zu Auseinandersetzungen. Dabei wurde Inventar der Sportplatzgaststätte zerstört. Nach dem Spiel wartete eine weitere Gruppe von etwa 50 Neonazis an der Straßenbahnhaltestelle auf die Chemie-Fans und attackierte diese mit Baustellenschildern, Steinen, Flaschen und pyrotechnischen Erzeugnissen. Die Aggressoren riefen während des Angriffs „Juden“, „Antifa – Ha ha ha“, „L-O-K“ und „Nur ein Leutzscher ist ein Deutscher“.

Die Fangruppen der BSG Chemie Leipzig haben ein antirassistisches und antisexistisches Selbstverständnis und sind deswegen wiederholt von Neonazis und neonazistischen Fangruppierungen angegriffen worden. Diese Tatsache wird jedoch in der lokalen medialen Öffentlichkeit selten reflektiert. Im konkreten Fall berichtete die Polizeidirektion Leipzig in einer Pressemitteilung von Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Fangruppierungen, ungeachtet der Tatsache, daß bei dem Angriff neonazistische Anhänger der eigentlich rivalisierenden "großen" Leipziger Vereine FC Lok und FC Sachsen kooperierten und daß diese noch von "Freien Kräften" unterstützt wurden. Die Polizeimitteilung bildete wiederum die Grundlage für die Berichterstattung von LVZ und Leipziger Internetzeitung. Die LIZ veröffentlichte aber einen Tag später die Gegendarstellung der ag doc.