Fackelmarsch vor dem Wohnhaus von Ministerin Petra Köpping in Grimma

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3.

Dezember
2021
Freitag

Am Freitagabend versammeln sich rund 30 Personen mit Fackeln, Trillerpfeifen und Trommeln vor dem Wohnhaus der sächsischen Sozial- und Gesundheitsministerin Petra Köpping in Grimma. In einem Video, das später auf dem Telegram-Kanal der extrem rechten Gruppierung "Freie Sachsen" veröffentlicht wird, skandiert die Menge lautstark die Parole "Frieden, Freiheit, keine Diktatur". Es wird durch die Fenster im Erdgeschoss und in den Hof des Gebäudes gefilmt. Als die Polizei eintrifft, flieht die Gruppe in mehreren PKWs. Die Polizei hält 15 Autos an und stellt die Identität von 25 Personen fest. Gegen sie wird u.a. wegen des Verstoßes gegen die Sächsische Corona-Notverordnung ermittelt, darüber hinaus ermittelt der Staatsschutz.

Der Journalist Christian Fuchs weist auf ein Video des Geschehens hin, das der Teilnehmer Tho­mas Kleint ("Tommy aus Grimma") auf seinem Kanal in den sozialen Medien veröffentlicht hat. Dieser filmt regelmäßig bei Anti-Corona-Kundgebungen in Grimma und Umgebung. Seinen Aussagen zufolge wurde der Fackelmarsch der Grimmaer "Spazierganggruppe" be­wusst nicht öf­fent­lich beworben, sondern le­dig­lich "ins Freie Sach­sen-In­tern hier in Mul­den­tal" ge­schrie­ben - offenbar eine interne Telegram-Gruppe. Gegenüber der Zeit verteidigt der Hobby-Filmer, der in Grimma ein Tattoostudio betreibt, den Fackelaufmarsch mit den Worten: "Das war doch ein schönes Licht dort." Mit den "Freien Sachsen" oder "Rechtsextremismus" habe das nichts zu tun. Allerdings zeigt er in einem MDR-Bericht selbst stolz einen von den "Freien Sachsen" auf seinen Namen ausgestellten angeblichen "Presseausweis".

Nach Informationen der Linken-Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz aus dem Innenausschuss des Landtages stammen 22 der insgesamt 28 festgestellten Personen aus dem Landkreis Leipzig, davon 16 aus Grimma. Darunter sollen auch "vier dem Verfassungsschutz als Rechtsextremisten bekannte Personen" gewesen sein, von denen zwei bereits durch einschlägige Straftaten aufgefallen seien.

Bis auf die AfD stimmen wenige Tage später alle Fraktionen des Grimmaer Stadtrates einer Solidaritätserklärung mit Petra Köpping zu. Darin wird betont, dass es den Initiator_innen des Fackelmarsches "um Einschüchterung und das Verbreiten von Angst" ging. Die Stadträte der AfD begründen ihre Nicht-Zustimmung zu der Erklärung mit dem Verweis darauf, dass angeblich auch die Familie des Thüringer FDP-Vorsitzenden Thomas Kemmerich nach seiner kurzzeitigen Wahl zum Ministerpräsidenten (mit Stimmen der AfD) tyrannisiert worden sei. Ebenso sei der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke "wochenlang tyrannisiert" worden (gemeint ist eine Kunstaktion des Zentrums für politische Schönheit auf dem Nachbargrundstück von Höcke). Was das mit dem Vorfall in Grimma und der Positionierung des Stadtrates zu tun hat, lassen die AfD-Räte offen.

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