Gründung der "JN Nordsachsen" in Doberschütz

Druckeroptimierte VersionAls Email versenden

5.

Juni
2011
Sonntag

Im so genannten "Schulungszentrum" der NPD in Eilenburg, einer Gartenkneipe in Doberschütz (bei Eilenburg), fand die Gründung der Gebietsorganisation Nordsachsen der neonazistischen JN statt. In der neuen Struktur des Jugendverbandes der NPD gingen die JN Delitzsch-Eilenburg sowie der JN Torgau-Oschatz vollständig auf. Nach eigenen Angaben soll der Verband damit der mitgliederstärkste der JN bundesweit sein. An der Veranstaltung sollen 70 Personen teilgenommen haben, darunter Maik Scheffler (NPD-Stadtrat in Delitzsch sowie Vorsitzende der nordsächsischen NPD), Tommy Naumann (JN-Landesvorsitzender) sowie Paul Rzehaczek, der der neue JN-Stützpunktleiter Nordsachsens wurde.

Tatsächlich jedoch stellt die als Organisationserfolg verkaufte Veranstaltung die notwendige Konsequenz aus dem Scheitern der bisherigen Strategie der JN dar. Aussagen des neonazistischen "Aktionsbüro Nordsachsen" aus dem Jahr 2009 zufolge, sollte mit der flächendeckenden Präsenz in den regionalen Zentren des Landkreises eine Muster- und Modellregion "zukunftsorientierter nationaler Jugendpolitik" entstehen. So feierte man im November 2009 die Gründung von vier neuen JN-Stützpunkten, von denen sich drei - die JN Delitzsch-Eilenburg, die JN Torgau und die JN Oschatz - auf dem Gebiet des Landkreises Nordsachsen befanden. Mangels Mitglieder und geeigneter Führungskader ging die Strategie jedoch nicht auf. Mit der Fusion zur JN Nordsachsen müssen sich die Jungnazis zwei Jahre später ihr Scheitern hinsichtlich des Ziels eingestehen, sich in den jeweiligen Regionen auf breiter Front zu etablieren.

Im Gründungsbericht auf der Internetseite des "Aktionsbüro Nordsachsen" wird hingegen die "Partnerschaft (der) nordsächsischen JN-Aktivisten (...) mit den JN-Stützpunkten Leipzig und Leipzig Land" betont, wodurch "das Modell einer landkreis-übergreifenden Jugendorganisation installiert werden" konnte. Faktisch bedeutet dies: weitere Wege und erhöhte Fahrtkosten für die wenigen Vollzeit-Nazis, die sich dauerhaft in der Region engagieren wollen.

Quelle: 

chronik.le, Antwort auf die Kleine Anfrage Drs.Nr.: 5/6266 (Aktivitäten der extremen Rechten in Sachsen im Monat Juni 2011), Internetseite des neonazistischen "Aktionsbüro Nordsachsen"