Jahresstatistik der Opferberatung: Raum Leipzig bleibt Schwerpunkt rechter Übergriffe

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1.

März
2011
Dienstag

Die Opferberatung für Betroffene rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt der RAA Sachsen e.V. berichtet in ihrer Jahresstatistik für 2010 von 239 Angriffen (Körperverletzungen, Nötigungen, Bedrohungen, Brandstiftungen sowie massive Sachbeschädigungen), bei denen 396 Menschen direkt betroffen waren. Im Vergleich zum Vorjahr mit 263 Übergriffen stellt dies einen leichten Rückgang dar, trotzdem sieht die Opferberatung keinerlei Anlass zur Entwarnung.

Die meisten Angriffe wurden im Jahr 2010 erneut in den kreisfreien Städten Leipzig (44) und Dresden (35), gefolgt vom Landkreis Leipzig (31) verzeichnet. Im Landkreis Nordsachsen wurden 19 Angriffe registriert. Im Verhältnis zur Einwohner_innenzahl des jeweiligen Landkreises bildete wie bereits 2009 der gesamte Leipziger Raum den Schwerpunkt der Angriffe. Der Landkreis Leipzig (11,5 Angriffe je 100.000 Einwohner_innen) liegt dabei deutlich vor dem Landkreis Nordsachsen (9,1) und der Stadt Leipzig (8,5).

Insgesamt sind vor allem nicht-rechte und alternative Jugendliche von den rechtsmotivierten Angriffen betroffen (102 Fälle). Rassismus ist in knapp 25 Prozent der Fälle als Tatmotiv anzusehen (53). In 39 Fällen richteten sich die Angriffe gezielt gegen politisch Aktive, die sich beispielsweise gegen Neonazis oder Rassismus engagieren.

"Rechte Gewalttaten bleiben in Sachsen auf hohem Niveau. Besorgnis erregend ist vor allem die Dimension der Angriffe. So gab es im vergangenen Jahr 17 Brandanschläge in Sachsen – darunter auch auf Wohnhäuser. Dabei wurde bewusst der Tod von Menschen in Kauf genommen. Auch musste erneut ein Mensch sterben – der gerade einmal 19 Jahre alte Kamal K. in Leipzig. Es ist außerdem von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. Ein Grund dafür ist unter anderem das schwindende Vertrauen in die Strafverfolgungsbehörden bei Betroffenen. Es fehlt oftmals die Zuversicht, dass die Täter gefunden werden. Auch die lange Dauer bis ein Fall vor Gericht tatsächlich abgeschlossen ist, halten Betroffene von Anzeigen ab. Auch wir erhalten dann nur selten Kenntnis von den Fällen", erklärt Grit Armonies, Projektkoordinatorin der Opferberatungsstellen des RAA Sachsen e.V.