JN-Kundgebung gegen "Maulkorberlass" in Wurzen

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15.

September
2011
Donnerstag

Mitglieder der "Jungen Nationaldemokraten" (JN) aus den Landkreisen Leipzig und Nordsachen hielten am Donnerstagabend zwischen 18 und 19.15 Uhr in Wurzen eine Kundgebung mit dem Motto "Recht auf freie Rede - WIR sind das Volk!" ab. Zu der Versammlung auf dem Wettiner Platz, in einem mit Pollern abgesperrten Areal zwischen einem von Migrant_innen betriebenen Pizza-Service und einer historischen Postmeilensäule, erschienen ca. 30-40 hauptsächlich jüngere Neonazis, die mehrere JN- bzw. "Freies Netz"-Transparente und schwarz-weiß-rote Fahnen präsentierten. Das Spektakel stieß laut Anwohner_innen auf nur geringes Interesse - entgegen der Erfolgsmeldung beim "Freien Netz/Aktionsbüro Nordsachen", das von "etwas über 60 Teilnehmern und enorm vielen interessierten Zaungästen" berichtete.

Redebeiträge kamen vom JN-Landesvorsitzenden Tommy Naumann (Leipzig), seinem Stellvertreter und Leiter des JN-Stützpunktes Muldental Mathias König (Wurzen), dem Geithainer NPD-Stadtrat und "Freies Netz"-Aktivisten Manuel Tripp und dem nordsächsischen JN-Chef Paul Rzehaczek (Eilenburg). Letzterer beschwerte sich über einen angeblichen "Maulkorberlass" der Wurzener Stadtverwaltung. Mit der Kundgebung und weiteren Aktionen wollten die Neonazis offenbar dagegen protestieren, dass ihnen die Beteiligung am Stadtfest anlässlich des 1050-jährigen Jubiläums von Wurzen, das am folgenden Wochenende zusammen mit dem Landeserntedankfest begangen wurde, untersagt worden war.

Als Reaktion darauf hatten NPD- und JN-Leute aus Nordsachsen und Wurzen in der Ringelnatzstadt bereits am Montag einen Infostand durchgeführt. Am Mittwoch sollen zudem Flyer verteilt worden sein.

In Geithain war den Neonazis vom örtlichen "Freies Netz"-Ableger im Juni zur 825-Jahr-Feier ein Stand genehmigt worden. Dort soll Manuel Tripp damit gedroht haben, andernfalls eine Demonstration durchzuführen. Mit solchen "Argumenten" hatten die Jung-Nazis in Wurzen offenbar keinen Erfolg. Allerdings hatte die Stadtverwaltung die Nazikundgebung gegenüber der Öffentlichkeit komplett verschwiegen. Auf Nachfrage dazu erhielt chronik.LE von Wurzens Oberbürgermeister und dem Ordnungsamt des Landkreises Leipzig keine Antwort.

Quelle: 

NDK Wurzen vom 16.09.2011, NDK-Chronik, "Freies Netz/AB Nordsachsen" vom 16.09.2011, Youtube-Clip mit Rede-Auszügen