JN Leipzig fordert in Leipzig und Berlin Freiheit für NS-Kriegsverbrecher Priebke

Druckeroptimierte VersionAls Email versenden

29.

Juli
2013
Montag

Mitglieder der NPD-Jugendorganisation "Junge Nadionaldemokraten" (JN) Leipzig haben nach eigenen Angaben am Montag beim italienischen Honorarkonsulat in Leipzig (von ihnen als Generalkonsulat bezeichnet) auf dem Neuen Messegelände vorbeigeschaut und einer Angestellten ein Flugblatt über den von ihnen verehrten Nazi-Kriegsverbrecher Erich Priebke übergeben (der Konsul hatte leider keine Zeit). Anschließend fuhren die Priebke-Fans nach Berlin, wo vor der italienischen Botschaft eine Kundgebung stattfand. Auf dieser sprachen u.a. Wolfram Nahrath (letzter Vorsitzender der 1994 verbotenen Wiking-Jugend) und der Berliner NPD-Landesvize Uwe Meenen.

Anlass der Aktivitäten ist der 100. Geburtstag des einstigen Gestapo-Mitarbeiters und SS-Hauptsturmführers Erich Priebke. Dieser war 1998 in Italien wegen seiner Beteiligung an der Erschießung von 335 Zivilisten im März 1944 bei Rom zu lebenslanger Haft verurteilt worden, die er jedoch aus Altersgründen nur im Hausarrest absitzen muss.

Bereits ein paar Tage zuvor posierten einige VertreterInnen der JN Leipzig und Nordsachsen vor dem Völkerschlachtdenkmal mit Transparenten, auf denen "Freiheit für Erich Priebke" gefordert wurde. Auf einer Soli-Seite für Priebke sind diese Fotos mit "Solidarität aus der Reichsmessestadt" überschrieben.

Der NPD-Vorsitzende Holger Apfel bezeichnete den verurteilten Kriegsverbrecher Priebke in einem Kommentar für die Parteizeitung "Deutsche Stimme" als "eine[n] der anständigsten Männer seiner Generation". Nach Kriegsende hatte sich dieser anständige Mann wie viele andere Nazis nach Südamerika abgesetzt. Erst 1995 wurde er von Argentinien nach Italien ausgeliefert. Verantwortlich dafür waren laut Apfel "[j]üdische Organisationen, die seit Jahrzehnten jeden kleinen Gefreiten mit biblischer Rachesüchtigkeit ausgraben, um ihn vor Gericht zu zerren, damit die Propagandakampagnen gegen unser Vaterland nicht ins Stocken geraten".

Verehrung für Massenmörder und antisemitische Projektionen passen bei der NPD und anderen Neonazis eben immer noch wie die Faust aufs Auge.

Quelle: 

Facebook-Seite der JN Leipzig vom 30.07.2013 und 19.07.2013, Homepage der NPD Leipzig, DS-Aktuell vom 28.07.2013, Endstation Rechts vom 26.07.2013, Jungle World vom 25.07.2013