JN protestiert in Wurzen gegen "Besatzer", Rechtschreibung und die Realität

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23.

April
2010
Freitag

Mit einem Transparent protestierten Mitglieder und Sympathisanten der NPD/JN am Freitagvormittag gegen die Zusammenkunft historischer Militärfahrzeuge auf dem Wurzener Markt. Die so genannte Robertson-Patrouille, bestehend aus Geländewagen und Motorradgespannen amerikanischer und russischer Bauart, wollte im Vorfeld der Feierlichkeiten zum "Elbe Day" in Torgau an die Ereignisse des 25. April 1945 erinnern. Damals verließ ein amerikanischer Aufklärungstrupp, geführt von Unterleutnant William D. Robertson, die Stadt Wurzen mit dem Ziel, das Gelände bis zur Elbe zu erkunden. Dabei begegneten sie bei Torgau schließlich sowjetischen Rotarmisten.

Von einem Polizisten wurden die Prostestierenden, darunter der Wurzener JN-Chef Mathias König, aufgefordert, den Platz zu verlassen. Das taten sie auch. In einem Bericht auf der Internetseite "Aktionsbüro Nordsachsen" (Teil der Neonazi-Plattform "Freies Netz") behaupteten die Neonazis kurze Zeit später, ein Stadtrat der Linkspartei habe sich unmittelbar vor diesem Platzverweis zu ihnen gestellt und damit "seine Solidarität für die nationalen Freiheitskämpfer" bezeugt. Dabei handelt es sich jedoch um eine sehr eigenwillige Wahrnehmung des Geschehens.

Tatsächlich hatte sich der Wurzener Linke-Stadtrat Jens Kretzschmar zusammen mit anderen Bürger_innen vor das revisionistische Transparent gestellt, um es zu verdecken. Zudem hatte er "Stützpunktleiter" König, der am folgenden Tag bei der JN-Demonstration in Torgau eine Rede halten sollte, aufgefordert, er solle seine Verdrehung der historischen Tatsachen für sich behalten. Auch diese Äußerung wird von den Neonazis nach ihrem eigenen Gutdünken interpretiert: "Auch sprach [Kretzschmar, chronik.LE] sinngemäß von einer 'Verdrehung der Tatsachen', und recht hat er; was gibt Kriegstreiber und Besatzer das Recht sich als 'Befreier' und 'Freunde' unseres Volkes zu präsentieren." [Rechtschreibung im Original]

Da ihre antiamerikanischen Parolen bei den Leuten auf dem Markplatz, die sich für die historischen Fahrzeuge interessierten, keinen Anklang fanden, flüchteten sich die Neonazis in Phantasievorstellungen. So heißt es in ihrem Bericht abschließend: "Wir danken Jens Kretzschmar und den anwesenden Vertreter des NDK Wurzen, das dieselben fähig sind, bei Themen wie Imperialismus und geschichtlicher Wahrheit, über ihren ideologischen Schatten zu springen und keine Berührungsängste mit der nationalen Opposition zeigen." [Rechtschreibung wieder wie im Original]

Kretzschmar ist inwzischen juristisch gegen die die Verleudmung als Nazi-Sympathisant vorgegangen. Der Bericht über die Störaktion der JN in Wurzen wurde daraufhin von der "Aktionsbüro"-Seite entfernt.

Neben den Ereignissen in Wurzen und Torgau kam es während der Veranstaltungen zum "Elbe-Day" auch in Leipzig zu Störaktionen von Neonazis.

Quelle: 

Freies Netz/Aktionsbüro Nordsachsen vom 23.04.2010, Gegendarstellung von Jens Kretzschmar vom 23.04.2010, PM zur Robertson-Patrouille