Jura-Professor der Universität Leipzig verbreitet im Internet rassistische Parolen

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29.

Januar
2016
Freitag

Der Fachschaftsrat Jura und der Student_innenrat der Universität Leipzig weisen auf Facebook und in einer Pressemitteilung auf zahlreiche rassistische und islamfeindliche Äußerungen des Jura-Professors Thomas Rauscher hin. Dieser verbreitet seit geraumer Zeit über seinen Twitter-Account ethno-pluralistische Reinheitsphantasien ("Es fügt sich nicht, was nicht zusammengehört. Europa den Europäern, Afrika den Afrikanern. Arabien den Arabern. Was ist daran denn falsch?") und Pegida-typische Parolen ("Merkel zerstört Deutschland!"). Seine Sympathie für die Pegida-Bewegung erklärt er mit dem Ausruf "Je suis Pegida!" Zudem fordert er, "UNSER Volk" müsse sich "sein Land bewahren". Der Islam sei dagegen eine nicht-friedliche Religion, Zugewanderte in Frankreich werden abwertend als "Banlieue-Horden aus dem Maghreb" bezeichnet.

Besondere Sorgen macht sich Rauscher auch um die vermeintliche Unterdrückung seiner Geschlechtsidentität. Bei Zeit-Online wird er mit folgender Aussage zitiert:

"Ich fühle mich als nicht homosexueller weißer Mann über 50 in Deutschland als misstrauisch beäugte Spezies. Und in einer ähnlichen Rolle, wie früher Farbige in den USA sie hatten."

Die völkisch-nationale Einstellung des Juristen steigert sich bis an die Grenze von Gewaltfantasien, wenn er am 30. Dezember 2015 verkündet: "Die Angst des 'Weißen Mannes' sollte wehrhaft werden!". Solche und weitere rassistische und geschlechterdiskriminierende Tweets werden seit Januar auf dem Blog "Adieu Rauscher" dokumentiert.

Die Universität Leipzig teilte auf Nachfrage gegenüber der LVZ mit, dass Weltoffenheit und Toleranz wichtige Werte der Uni seien und man sich gegen Fremdenfeindlichkeit stelle. Wenn einzelne Universitätsangehörige sich anders äußerten, sei das „sehr bedauerlich“. Pikant ist, dass Rauscher auch Ausländerbeauftragter seiner Fakultät ist und auf Nachfrage erklärte, dieses Amt weiter beibehalten zu wollen. Das Vertrauensverhältnis zwischen ihm als Amtsinhaber und ausländischen, insbesondere muslimischen Studierenden dürfte nachhaltig belastet sein.

Rauscher war bis Ende 2013 FDP-Mitglied. Für die Partei wurde er 2008 in den Kreistag von Rosenheim (Bayern) gewählt. Später kandidierte er für die Liberalen noch erfolglos zur Europawahl (2009) und für den Bundestag (2013).