Klingenhain: Brandanschlag auf Haus einer Sinti-Familie nach jahrelangen Anfeindungen

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26.

Dezember
2009
Samstag

Am 26. Dezember 2009 brannte das Haus einer Sinti-Familie in Klingenhain (Ortsteil der Gemeinde Cavertitz im Landkreis Nordsachsen) komplett aus. Verletzt wurde niemand, da die Familie Weihnachten bei Verwandten verbrachte. Das Haus ist nach dem Anschlag unbewohnbar. Der Caravan-Handel der Familie ist ebenfalls niedergebrannt. Ein politischer Hintergrund des Brandanschlages ist zwar bislang nicht offiziell bestätigt, kann nach Angaben der Opferberatung Leipzig aber als wahrscheinlich angenommen werden.

Dem Brandanschlag gingen jahrelange Anfeindungen und Bedrohungen im Dorf voraus. Als die Familie 2003 nach Klingenhain zog, begegneten ihnen die Nachbarn mit Misstrauen. Als Grund für die antiziganistischen Anfeindungen nannte der Familienvater das äußere Erscheinungsbild seiner Familie. Sie falle auf.

Von Beginn an begegneten die Dorfbewohner_innen der Familie mit Antipathie, in der Schule kam es für Kinder und Eltern wiederholt zu bedrohlichen Situationen. Schläge, Beleidigungen und Bedrohungen waren an der Tagesordnung. Herr H.: „Es kam soweit, dass sich Neonazis vor uns mit Bierfalschen aufbauten, als wir unsere Kinder abholen wollten. Die Direktorin musste sich schützend vor uns stellen. Die Polizei kam und hat abgesperrt, damit wir rausfahren konnten.“ Auch ein Schulwechsel verbesserte die Situation nicht.

Diesem rassistischen, antiziganistischen Klima blieb die Familie sechs Jahre lang ausgesetzt. Neben beständigen Beschimpfungen als „Zigeuner“ oder „Dreckspack“ kam es immer wieder zu gewalttätigen Angriffen, Einbrüchen und Vandalismus. Von insgesamt vier Vandalismusfällen berichten die Betroffenen in den vergangenen Monaten. Im September 2009 wurde die Fensterscheibe des Kinderzimmers mit einem Stein eingeworfen, um den ein Zettel mit den Worten „Haut ab, ihr Kanaken!“ gewickelt war.

Alle bei der Polizei gestellten Anzeigen wurden jedoch eingestellt. Der Brandanschlag auf das Haus erscheint nun als erschreckender Höhepunkt der jahrelangen Diskriminierungen. Derzeit hat die Polizei noch keine Erkenntnisse zu den Tätern. Auch die Dorfbewohner_innen schweigen.

Für die Familie scheint indes klar, eine Rückkehr nach Klingenhain könne es für sie nicht geben.

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Quelle: 

Pressemitteilung der RAA Sachsen e.V. vom 25.01.2010