Kolonialrassistische Satire im Eutritzscher Rundblick

Druckeroptimierte VersionAls Email versenden

13.

Juni
2021
Sonntag

Im Monatsblatt des Eutritzscher Bürgervereins, dem "Eutritzscher Rundblick", befasst sich die Kolumne "Schneiders Zeitblick" in der Juniausgabe auf Seite 8 mit der Rückgabe von im Zuge des deutschen Kolonialismus erebuteten Raubkunst. Der Autor bedient dabei rassistische Stereotype, denen zufolge, die Raubkunst auf dem afrikanischen oder asiatischen Kontienent nicht gut aufgehoben sei. Er beruft sich dabei auf eine angeblich von der Bundesregierung beklagte "seit Jahren wuchernde Korruption in der Dritten Welt" und sieht unter anderem "eine ganze Reihe Millionäre, Oligarchen und Spekulanten" ihre "gierigen Finder" danach ausstrecken. Außerdem stellen für den Autor Museen in Nachfolgestaaten der Täternationen wie das Leipziger Grassimuseum neutrale Verwahrungsorte für die Raubkunst dar. Fälschlicherweise wird behauptet, dass beispielsweise in England keine Auseinandersetzung um Raubkunst statt fände.
Im weiteren Verlauf der "Satire" arbeitet der Kolumnist sich am Leipziger Migrantenbeirat, und dessen Vorsitzendem ab. Dessen Auffassung nach seien die meisten Deutschen wohl Rassisten. Der Autor versucht, anstatt sich und seine Rassismen zu reflektieren, sich mit dem Argument zu entwinden, dass die letzten deutschen Kolonialtruppen den afrikanischen Kontinent vor mehr als hundert Jahren verlassen hätten und damit Platz für andere Kolonialmächte geschaffen hätte, mit denen sich der Vorsitzende des Migrantenbeirats befassen sollte.
Zum Abschluss der Kolumne versucht der Autor "die Leipziger Bürgerschaft" der am Leipziger Zoo gelegen sei, gegen postkolinale Forderungen und Auseinandersetzungen auszuspielen indem er impliziert, dass diesen nicht am Leipziger Zoo und dessen Fortbestehen gelgen sei.
Garniert wird die Kolumne mit einer Karikatur in der rassistisch-stereotyp gezeichnete Indigene sich über von der Treuhand gestohlene Trabbis empören. Durch den Vergleich von Verbrechen des deutschen Kolonialstaats mit dem Agieren der Treuhandanstalt werden die deutschen Kolonialverbrechen verharmlost und bagatellisiert.

Quelle: 

chronik.LE