Konzert im NPD-Zentrum mit vier Bands aus "Blood & Honour"-Umfeld

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26.

Oktober
2013
Samstag

Im Nazi-Zentrum in der Odermannstraße 8 fand am Samstag ein Konzert mit vier Bands statt, welches nach Angaben des sächsischen Innenministeriums von mehr als 130 Personen besucht wurde. Damit dürfte die Besucherzahl in der Nähe der behördlich zugelassenen Grenze gelegen haben. Während der gesamten Veranstaltung hatte die Polizei die Zufahrtswege zum Objekt abgeriegelt und führte Personenkontrollen durch. Nach Angaben eines Sprechers der PD Leipzig gegenüber chronik.LE hatte die Polizei erst im Laufe des Tages von dem Konzert "mit rechtsextremistischen Bezug" im "Raum Mitteldeutschland" erfahren und daraufhin u.a. an der Odermannstraße nach den Rechten gesehen. Erst nach Anreise der vier Musikgruppen und eines Großteils der Besucher offenbarte sich ein Verantwortlicher für die Veranstaltung.

Hauptact war vermutlich die schwedische Band "Pitbullfarm", daneben traten die Hamburger "Abtrimo", die Mecklenburger "Ungebetene Gäste" sowie "Selbststeller" aus Riesa auf. Mindestens Selbststeller und Abtrimo wurden sogar schon vom Verfassungsschutz zur Kenntnis genommen. Die neonazistische Ausrichtung der Veranstaltung ist an Deutlichkeit kaum zu übertreffen. Bei einigen Bands ergeben sich Schnittmengen zu "Blood and Honour" und zur weltweit agierenden, rockerclubartig aufgebauten neonazistischen "Hammerskin"-Bewegung. "Blood and Honour" ist seit 2000 in Deutschland verboten. Diese Lücke versuchen seitdem nicht zuletzt die "Hammerskins" zu füllen. Die beiden Bewegungen werden seit Bekanntwerden des NSU zu den Unterstützernetzwerken der Terrorgruppe gerechnet.

Zur Band Abtrimo heißt es bei "Keine Stimme den Nazis":

Die Band Abtrimo stellt sich in ihrem Lied "Sound der 80er" selbst in die Tradition der bedeutendsten englischen Naziband "Skrewdriver", welche auch die internationale, in Deutschland im Jahre 2000 verbotene Organisation "Blood & Honour" mit aufbaute. In dem Lied besingt Abtrimo "Gewalt und Hass". Dass sich die [...] Hamburger Band gar in die Nähe von Naziterroristen stellen, verdeutlicht ihre 2012 [...] aufgenommene Platte mit dem Titel "Norddeutscher Untergrund - der erste Streich!" Eine eindeutige Anspielung auf die Terrororganisation "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU), die ihre Morde in dem widerlichen "Paulchen-Panther-Video" als "Streiche" in Folge abfeierte.

Die Band Ungebetene Gäste ist eine Neonaziband aus Mecklenburg Vorpommern. Sie ist ein Nebenprojekt mehrerer bekannter Nazimusiker. Ihr letztes Album erschien beim Label Front Records in Wurzen. Einzelne Mitglieder, seit Jahren in der neonazistischen Musikszene aktiv, traten mit ihren Bands mehrfach bei "Blood and Honour"-Veranstaltungen auf.

Die Band Selbststeller aus Riesa mischt bereits seit 2000 in der rechten Musikszene mit. Ihre jüngste CD ist unter der Regie von PC Records aus Chemnitz erschienen. Die Mitglieder der Band gehörten zur Neonazi-Kameradschaft "Bootboys Riesa", die um die Jahrtausendwende aktiv war und wiederum zum "Blood & Honour"-Umfeld gerechnet werden kann.

Die schwedische Band Pitbullfarm spielte 2012 im französischen Toul mit weiteren Grauzone- und Neonazibands. Am gleichen Ort fand einige Monate später das europäische "Hammerskin"-Festival statt. In Deutschland spielten sie mehrfach mit der Neonazi-Hooligan-Band Kategorie C.

Laut Polizei war die Veranstaltung um Mitternacht beendet. Bei der Abreise der Besucher stellten die Beamt_innen eine Straftat nach §86a StGB (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen) fest.