Kritik an NS-Symbolik auf WGT-Ticket

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12.

Juni
2009
Freitag

In einem Teil der Gothic-Szene regt sich Kritik am Veranstalter des diesjährigen "Wave Gotik Treffens", das Pfingsten zum 18. Mal in Leipzig statt gefunden hat. Neben der (wiederholten) Anwesenheit eines Verkaufsstandes des VAWS-Vertriebs wird insbesondere die Verwendung des "Schwarze Sonne"-Symbols auf einem der Tickets, der so genannten "Obsorgekarte", kritisiert.

Redok.de berichtet von einem Thread im Internet-Forum des WGT, in dem dazu am 12. Juni ein offener Brief an die Treffen & Festspielgesellschaft für Mitteldeutschland mbH veröffentlicht wurde:

Das Schreiben, das dem Veranstalter angeblich mittlerweile auch auf dem traditionellen Postweg zugesandt wurde, beinhaltet zudem die Forderung, dass das besagte Symbol in Zukunft nicht mehr durch den Veranstalter verwendet werden soll. Doch damit nicht genug: Die Aktivisten verlangen darüber hinaus, dass zukünftig dem Produktanbieter Verlag und Agentur Werner Symanek (VAWS), der seit Jahren mit einem Stand auf dem WGT vertreten ist, keine Möglichkeit mehr gegeben wird, im Rahmen des WGTs seine Waren zu verkaufen.

Der Verlag wird insbesondere deshalb kritisiert, weil er CDs und sonstige Artikel von Josef Klumb und dessen Musikprojekt Von Thronstahl (VT) im Angebot hat. Die Aktivisten bescheinigen Klumb und seinem Musikprojekt rechtsextreme Tendenzen.

Der Thread mit dem Titel "Bitte keinen rechten Ramsch mehr" wurde mittlerweile gelöscht. So soll nach Aussage des Webmasters zukünftig mit allen "politischen Themen" verfahren werden. Nichtsdestotrotz wird dieser Zensurakt wie auch das Protestschreiben im WGT-Forum weiter eifrig und kontrovers diskutiert. Zudem wurde den Nutzern in einem anderen Forum der schwarzen Szene "politisches Asyl" geboten. Dort kann auch der offene Brief nachgelesen werden.

Kritisch hat sich auch die Band ASP geäußert, die selbst beim diesjährigen WGT aufgetreten ist. In einem Brief an die Treffen & Festspielgesellschaft für Mitteldeutschland mbH weisen sie am 11. Juni darauf hin, dass die aus zwölf Sig-Runen gebildete "Schwarze Sonne" erstmals in der während des Nationalsozialismus zu einem SS-Schulungszentrum umgebauten Wewelsburg als Bodenornament Verwendung fand und heute von neofaschistischen Gruppen als Erkennungszeichen genutzt wird. Aus diesem Grund distanzierte sich die Band von der "durch oben erwähntes Symbol erzeugten Politisierung des Festivals" und bat die Veranstalter um eine Stellungnahme.

Statt der Treffen & Festspielgesellschaft für Mitteldeutschland mbH antworteten am 16. Juni die beiden Geschäftsführer der Chemnitzer Konzert- und Veranstaltungsagentur In Move, die zusammen mit einer weiteren Person auch das WGT organisieren. Sie versichern zwar, dass keiner der Kulturschaffenden mit dem WGT politische Ziele verfolge, gehen ansonsten aber nicht auf die Vorwürfe ein. Statt dessen verweisen sie darauf, dass als historischer Bezuig für das Layout in diesem Jahr "die Hermannsschlacht auch Schlacht im Teutoburger Wald genannt, die sich zum 2.000sten Male jährt", gewählt wurde. ASP äußern sich enttäuscht über diese ausweichende Antwort:

Unsere Frage, warum das - unserer Meinung nach hochpolitisch belastete - Symbol der "Schwarzen Sonne" benutzt wurde, wurde leider nicht beantwortet. Es existiert keine historische Verbindung zwischen der erwähnten "Herrmannsschlacht" und dem Symbol. Im Gegenteil: bedauernswerterweise ist nur darin eine Verbindung erkennbar, dass beide Themen in neofaschistischen Gruppierungen einen hohen Stellenwert einnehmen.

Die Band kündigt an, dass sie sich - sollte es keine klare Stellungnahme der Verantwortlichen geben - in Zukunft weder als Besucher noch als Teil des Musikprogramms am WGT beteiligen würden.

In einem weiteren Bericht über diese Kontroverse wird zudem auf ein Festival-T-Shirt mit der fragwürdigen Aufschrift "Ich bin ein WGTArier" (über einer Abildung des von zwei Totenköpfen eingerahmten Völkerschlachtdenkmals) hingewiesen.

In der aktuellen Ausgabe der libertären Zeitschrift "Feierabend!" (#33) wird unter der Überschrift "Keine Nazis. Nirgends." daran erinnert, dass beim WGT "regelmäßig rechte bis neonazistische Bands im Festivalprogramm auftauchen". Auch in diesem Jahr seien einige "rechtsoffene" Bands sowie ein Musiker mit Neonazi-Kontakten und einer "sozialdarwinistischen Weltsicht" dabei gewesen. Außerdem wird auf ein Interview hingewiesen, dass der damalige Pressesprecher des WGT, Peter Matzke, vor sechs Jahren der rechten Wochenzeitung "Junge Freiheit" gegeben hat (Ausgabe 25 vom 13. Juni 2003).

Auf die Frage, ob die "musikalische Weltsicht" der schwarzen Szene "etwas spezifisch Deutsches" habe, antwortete Matzke dem der Neuen Rechten zuzurechnenden Blatt: "Diese Szene rekurriert auf dezidiert europäische Kulturtraditionen, sie lebt etwas, das vor allem der nordeuropäischen Mentalität und Denkart entgegenkommt." Unter den fast 20.000 Besuchern des Treffens habe er "bislang erst einen einzigen farbigen Gast ausmachen können. Und noch nie habe ich dort jemanden gesehen, der offenbar aus dem islamischen Kulturkreis stammt." Zudem attestierte der WGT-Sprecher der seiner Ansicht nach (nord-)europäisch geprägten Szene eine "weitgehende Ablehnung des Wertesystems der europäischen und amerikanischen Wohlstandsgesellschaft" Die Aussage hat der "Jungen Freiheit" anscheinend so gut gefallen, dass sie gleich als Überschrift für das Gespräch Verwendunmg fand.