Legida-Anhänger bedrohen Grünen-Politiker und NoLegida-Aktivisten

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5.

Juli
2016
Dienstag

Der Landessprecher der Grünen in Sachsen, Jürgen Kasek, der sich auch bei NoLegida und im Aktionsnetzwerk "Leipzig nimmt Platz" engagiert, wird seit Dienstagmorgen von Anhängern des Legida-Bündnisses und anderen Neonazis massiv bedroht. Kasek wird für den Überfall auf einen Legida-Ordner am Montagabend verantwortlich gemacht. Der 37-jährige Ronny U. wurde nach eigenen Angaben nach der Rückkehr von der abendlichen Legida-Demonstration in der Leipziger Innenstadt vor seinem Wohnhaus in Böhlen (Landkreis Leipzig) von vier bis fünf Unbekannten zusammengeschlagen.

Auf der Facebook-Seite von Legida und der Gruppierung "Wir für Leipzig" des Ex-NPD-Stadtrats Enrico Böhm wurde die Tat sogleich "Schlägertruppen der linksradikalen Szene in Leipzig und Sachsen" zugeschrieben und Kasek als deren Anstifter und Aufftraggeber bezeichnet. Bei den Ex-NPDler um Böhm hieß es rhetorisch: "Gab Jürgen Kasek einen Mord in Auftrag?" Außerdem veröffentlichten sie die Adresse von Kaseks Anwaltskanzlei in Stötteritz. Auch die Privatadresse von Kaseks Familie kuriserte wneig später im Netz. Vor der Kanzlei tauchten am Mittwoch mehrere Neonazis mit einem Transparent mit der Aufschrift "Kasek = Auftragskiller" auf. Das Transparent wurde wenig später an der Brücke einer Autobahnzufahrt aufgehängt. Fotos von der Aktion wurden auf der Facebook-Seite der neonazistischen Gruppierung "Wir lieben Sachsen/Thügida" veröffentlicht.

Der auch als Anwalt arbeitende Grünen-Politiker bestreitet die im Internet geteilten Vorfwürfe und geht juristisch gegen die entsprechenden Veröffentlichungen vor. Dessen ungeachtet ereichen ihn nach eigenen Angaben laufend anonyme Anrufe, Mails und Bedrohungen und Gewaltaufrufe über die sozialen Netzwerke.

Am folgenden Sonnabend veranstaltete Legida schließlich eine Mini-Demonstration unter dem Motto "Wir gegen Gewalt" vor der Stadtbibliothek.