Legida-Organisator spricht bei Pegida-Kundgebung

Druckeroptimierte VersionAls Email versenden

25.

Januar
2015
Sonntag

Zum nunmehr 13. Mal versammelten sich Anhänger_innen der "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) auf dem Platz vor der Dresdner Semperoper, um gegen eine vermeintliche Islamisierung Europas, gegen Asylsuchende, gegen Meinungsfreiheit sowie für eine Konkurrenz- und Leistungsgesellschaft zu protestieren.

Nach dem Kathrin Oertel die Kundgebung begann und u.a. kurz auf das Ausscheiden von Lutz Bachmann, die Presseberichterstattung zu Pegida sowie das Arbeiten der Polizei einging, kündigte sie Silvio Rösler an, Mitorganisator des Leipziger Pegida-Ablegers Legida.

Auftritt Röslers
In seinem kurzen, knapp anderthalb minütigen Grußwort dankte Rösler den Teilnehmenden des zweiten Legida-Aufmarsches und versuchte in seinen weiteren Ausführungen die Einigkeit zwischen Pegida und Legida bzw. zwischen den Teilnehmenden in Dresden und Leipzig hervorzuheben. So sieht er in den Teilnehmenden der Legida-Aufmärsche "Brüder und Schwestern" der Dresdner Pegida, worin ein Anspruch auf Gleichberechtigung zwischen Pegida und Legida gesehen werden kann.

Legida trat bisher als Ableger von Pegida auf, was die Pegida-Organisator_innen dazu veranlasste, von diesen die Unterzeichnung ihrer sechs Kernforderungen zu verlangen. Die Unterzeichnung verweigerten die Legida-Organisierenden. Jörg Hoyer, Pressesprecher von Legida, meinte gar: "Das, was Oertel, Bachmann und die anderen da tun, ist in keinster Weise demokratisch!" Rösler räumte das Bestehen von Differenzen ein, die er nach einem Gespräch jedoch als geklärt bezeichnet. Was diese "Klärung" aber umfasst, inwieweit Legida die sechs Kernforderung nun übernimmt oder wie eine Annäherung zwischen beiden aussehen mag, ließ er unerwähnt.

Zukünftig werde "Dresden und Leipzig [...] Schulter an Schulter" spazieren. Die erwünschte Nähe verdeutlichte Rösler ganz metaphorisch: "Da passt nicht mal ein Blatt Papier dazwischen." Durch den Schulterschluss erhofft er sich, "gemeinsam sehr, sehr viel [zu] erreichen."

Wurde Pegida bisher im Vergleich zu Legida als gemäßigter wahrgenommen, ist nach Röslers Worten eine Annäherung zwischen beiden Zusammenhängen zu erwarten, weshalb zu einem weiteren Rechtsruck und damit der Aufgabe des bisher betont bürgerlichen Anscheins bei Pegida führen könnte.

Die weiteren Redner
Rösler folgten weitere fünf Redner, die teilweise bereits auch in Leipzig auftraten.

Nach Rösler kam ein Mann namens "Horst" zu Wort, der sich über die Neujahrsansprache von Angelika Merkel echauffierte und gleichzeitig aufzeigte, welche Vorstellung er von Politikern hat: Für ihn waren "Adenauer, Schmidt, [...] Brandt" noch Politiker. Diesen Worten nach sollen "Politiker" keine Frauen zu sein, sondern Männer, die noch "richtige Politiker" sind, womit "Horst" wohl Führungspersönlichkeiten meint, die ihm Halt und Orientierung geben, jedoch in seinem Leben fehlen. Gleichzeitig lässt sich bei "Horst" ein staatszentriertes Denken von Gesellschaft erkennen, weshalb er nun Kritik äußert, da ihm die Perspektive abhanden gekommen ist.

Ihm folgte Dieter Plausnitzer der Zitate aus einem angeblichen Aufruf der "Antifa" verlas, wobei die Inhalte bisher nur auf neonazistischen sowie rechtspopulistischen Websites und Foren auffindbar waren. Er fand ihn auf dem Blog des rechten Publizisten Michael Mannheimer, dessen bürgerlicher Name Karl-Michael Merkle ist, der für seinen Hass auf Muslime sowie wiederholte Aufrufe zu einen gewaltsamen Aufstand bekannt ist. Scheinbar war Dieter Plausnitzer wenig über Karl-Michael Merkle, alias Michael Mannheimer, informiert, ansonsten hätte es sich noch von dessen Gewaltaufrufen distanzieren müssen, bemerkt Plausnitzer zum Schluss seiner Rede, dass Pegida keiner Polizeibegleitung bedürfe, da Pegida gewaltfrei sei.

Der nächste Redner, Leif Hansen, trat bereits am Mittwoch in Leipzig als Redner auf und war scheinbar schon bei mehreren Pegida-Aufmärschen zu gegen. Er ist Mitglied im Landesvorstand des bundesweit aktiven Vereins „Mehr Demokratie e.V.“, der sich für „Volksentscheide auf allen politischen Ebenen“ einsetzt - und dies auch in seinem Beitrag thematisierte - und der Alternative für Deutschland (AfD), zuvor war er in mehreren anderen Parteien Mitglied.

Im Anschluss war der HoGeSa-Anhänger Edwin Wagensveld an der Reihe, auch besser bekannt als „Ed, der Holländer“, der in Wirklichkeit im unterfränkischen Bastheim wohnt. Wie bereits Hansen sprach auch Wagensveld, der zumeist mit einer Flagge der Niederlanden beschmückt ist, beim zweiten Legida-Aufmarsch. Schon beim ersten Aufzug von Legida trat Wagensveld auf. In seinem heutigen Wortbeitrag hetzte er gegen s.g. "Wirtschaftsflüchtlinge" und Muslime_Muslimas, schwadroniert von vermeintlich deutschen bzw. europäischen Traditionen, Werten und Normen und agitiert gegen Medien, was die Zuhörer_innen zu "Lügenpresse"-Rufen animiert. Weiterhin instrumentalisiert er Bewohner_innen von Pflegeeinrichtungen sowie ökonomisch-benachteiligte Menschen, um sie gegen Asylsuchende auszuspielen bzw. dem Staat vorzuwerfen, Asylbeantragende angeblich besser zu behandeln.

Wagensveld verliest nach seinem Beitrag noch Grußworte von Geert Wilders, Vorsitzendem der rechtspopulistischen Partij voor de Vrijheid (Partei für die Freiheit).

Zum Schluss ergreift noch René Jahn, der Annahmen über die Größe von Pegida äußert, was aus seiner Sicht durch aufgestauten Frust der Teilnehmenden gegenüber der Politik, aber auch aufgrund der falschen Darstellung Pegidas in der Presse zustande gekommen sein soll.

Quelle: 

LVZ-Online vom 25.01.2015: "Leipziger Organisator spricht bei Pegida in Dresden - Kundgebung vor der Semperoper"; SZ-Online vom 25.01.2015: " Tickerprotokoll vom Geschehen in Dresden"