Legida - Der vierte Aufmarsch: Die Skurrilität steigt, die Teilnehmendenzahl sinkt

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16.

Februar
2015
Montag

Nach dem vierten Aufmarsch der Legida ist ein weiteres Absinken der Teilnehmendenzahl festzustellen. Nachdem sich zum dritten Legida-Aufmarsch am 30.01. ungefähr 1.500 Legida-Anhänger/innen auf dem Augustusplatz versammelten, folgten dem Aufruf zum "vierten Abendspaziergang" knapp 650 Personen. Im Vergleich zu Ende Januar sind zudem deutlich weniger organisierte Hooligan- und Neonazi-Gruppen festzustellen, deren Zahl auf 100 geschätzt wird, worunter sich u.a. der NPD-Stadtrat Enrico Böhm sowie auch Alexander Kurth befanden, die jedoch eine deutliche Distanz zueinander hielten.

Pegida, Legida und Co.
Zeitgleich trafen sich in Dresden, Chemnitz und Magdeburg so genannte *gida-Gruppen. In Dresden sollen 4.000 Personen dem Aufruf von Pegida gefolgt sein. In Chemnitz wurden 500 Cegida-Anhänger/innen gezählt und in Magdeburg (Magida) 780. Somit läßt sich das Zurückgehen der Zahl der Teilnehmenden bei Legida auch mit dem Verweis auf die Aufmärsche in den drei genannten Städten begründen. Von einem Niedergang von Legida zu sprechen, wäre falsch.

Dennoch "kann von einem harten Kern gesprochen werden, der seinen Unmut über politische und soziale Verhältnisse an den Schwächsten dieser Gesellschaft auslassen will", so Juliane Nagel vom Aktionsnetzwerk Leipzig nimmt Platz.

Die fünf Legida-Redner
Der Legida-Organisator und Anmelder Silvio Rösler wiederholte auch diesmal sein Mantra, dass es Legida "nicht darum [geht], die bei den Themen Asyl, Islam und Ausländerpolitik dahinter stehenden Menschen und ihren Glauben anzugreifen." Im weiteren referierte Rösler, "keine Probleme mit den gut integrierten muslimischen Mitmenschen" zu haben. Probleme machten laut Rösler die "radikalisierten Jugendlichen aus den muslimischen Ländern", was "wir [die Legida-Deutschen] uns nicht länger gebieten lassen". Letztlich macht Rösler Muslima_Muslime bzw. jene, die er dafür hält, für "enorme Probleme" in Deutschland verantwortlich. Mit "keiner anderen Bevölkerungsgruppe [gäbe] es so viele Probleme" wie mit ihnen.

Rösler driftet zunehmend in einen Verschwörungsglaube ab: Er sieht die "Flüchtlingsströme" als von der Nato und westlichen Regierungen initiiert und gesteuert an, um diese "nach Europa und zentral nach Deutschland" zu lenken. "Ein starkes, freies Europa freier Völker ist euch ein Dorn im Auge. Starke Völker kann man nicht mehr so steuern, so wie ihr es möchtet."

Auf Rösler folgte mit Markus Johnke ein weiteres Mitglied des Legida-Orgateams. Bevor Johnke seinen eigentlichen Beitrag beginnt und die so genannten Dresdner Thesen vorstellt, erzählt er, weshalb er überhaupt bei Legida sei, dass er die Sorgen der Teilnehmenden verstehen könne und womit er auf einer der nächsten Legida-Anhäufungen reden wolle: Über die "Methode der Mächtigen die Bevölkerung zu spalten und gegeneinander aufzuhetzen", denn damit "beschäftigte [er sich] gerne und auch sehr intensiv."

Als dritter Redner trat Andrej aus Koblenz auf, ihm folgte ein Edgar, der über die Notwendigkeit von Bildung sprach und den "Regierenden" vorwarf, erkannt zu haben, dass es sich einfacher reagieren ließe, wenn die Bürger_innen ungebildet sind. Zwischenzeitlich hat Rösler einen kurzen Auftritt, um Juliane Nagel zu diffamieren, was seine Anhänger/innenschaft zu "Volksverräter"-Rufen animierte.

"Friedrich Fröbel". Viel Jubel bekam der "Fröbel", da er die Legida-Gefolgschaft als belesene, (selbst-)reflektierte, kritische, nach Wissen strebende, nahezu gänzlich auf den Fernseher verzichtende, lieber klassische, "deutsche" Musik lauschende Gefolgschaft bezeichnete. Im weiteren unternahm er die Anstrengung anhand von Beethoven, Schiller und Kant "das Deutsche" zu umschreiben, wobei die altbekannte Phrase, nach der Deutschland das Land der "Dichter und Denker" sei, in all ihren Facetten und Falschheiten ausgeführt wurde. Diese kulturalistische Argumentation versetzte "Fröbel" mit biologistischen Annahmen, wonach die "Aufnahme fremden Kulturguts schon von Anfang an in unseren [den deutschen, Anmerkung der Redaktion] Genen" gelegen haben soll.

Ein weiterer Legida-Teilnehmender: Christian Bärthel
Auch Christian Bärthel war auf der Legida-Kundgebung zugegen. Bärthel ist ehemaliger Leiter des Zwickauer NPD-Bürgerbüros von Peter Klose, der zwischen 2006 und 2009 NPD-Landtagsabgeordneter war, sowie Anhänger der selbsternannten "Kommissarischen Reichsregierung", einer der vielen Reichsbürger-Treffs. Seit 2013 betätigt er sich zudem als Blogger unter dem Namen "donnerruf", wofür er auf der Kundgebung mit Flyern und DVDs Werbung gemacht hat.

Auf seinem Blog gibt Bärthel an, "seit über 20 Jahren [im] überkonfessionelle[n] Missionsdienst" tätig zu sein. Weiterhin ist eine Bewerbung um den Posten des Papstes sowie Beiträge zu Pegida oder auch eine Ankündigung zu einer Veranstaltung mit der Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel zu finden.

Quelle: 

LVZ-Online vom 16.02.2015: "Legida-Ticker: Erneut weniger Teilnehmer – Polizeipräsident Merbitz zieht positives Fazit", chronik.LE