Leipziger Hauptbahnhof wird zur Angstzone, als Neonazis vom "Rock für Deutschland" in Gera zurückkehren

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11.

Juli
2009
Samstag

Der Leipziger Hauptbahnhof wurde am Sonnabend kurzzeitig zu einer Angstzone für nicht-rechte Jugendliche und andere Personen, die Neonazis als Feindbild dienen. Bereits am Morgen hatten sich hier gegen 10.30 Uhr mehr als 100 Nazis versammelt, um von Leipzig nach Gera zu fahren. Dort fand an diesem Tag das von der NPD organisierte Nazi-Großevent "Rock für Deutschland" statt, das in diesem Jahr von insgesamt rund 4000 Neonazis besucht wurde.

Am Abend machten sich circa 300 Nazis von Gera aus auf den Rückweg Richtung Leipzig. Gegen 21.30 Uhr trafen ungefähr 200 von ihnen am Hauptbahnhof ein. Laut Augenzeug_innen riefen sie auf dem Bahnsteig Parolen wie "Frei, sozial und national!" sowie "Nationaler Sozialismus jetzt!", außerdem wurden Feuerwerkskörper gezündet. Die kaum vorhandenen Polizist_innen sahen sich dadurch nicht zum Einschreiten veranlasst.

Die Bedrohungssituation spitzte sich dann im Rewe-Supermarkt in der unteren Promenadenebene zu, wo sich Einkäufer_innen plötzlich einer großen Menge von Neonazis gegenübersahen. Unter anderem wurden rassistische Lieder mit Zeilen wie "Die Bananen und Kokosnüsse warten schon auf euch, Deutschland braucht euch nicht" gegrölt, die sich gegen zwei sichtlich eingeschüchterte, dunkelhäutige Frauen richteten. Die Szene wurde von fünf Polizisten beobachtet, die vor dem Einkaufsmarkt standen. Darauf angesprochen, ob sie nicht etwas dagegen tun können, meinte einer der Beamten: "Schließlich haben wir in Deutschland Meinungsfreiheit und es wurde ja noch keiner hier gelyncht."

Quelle: 

Augenzeug_innen, Chronik.LE