Lok Leipzig erteilt Hooligan-Gruppierung "Crime Boys" Stadionverbot

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10.

September
2009
Donnerstag

Der Oberliga-Fußballverein 1. FC Lok Leipzig hat für die Hooligan-Gruppierung "Crime Boys" ein Hausverbot im Bruno-Plache-Stadion, auf dem gesamten Vereinsgelände und im Fanprojekt Leipzig erlassen. Ab sofort seien sämtliche der Gruppe zuordnenbare Symbole, Schriftzüge, Kleidungsstücke oder ähnliches sowie deren Fahne verboten. Außerdem erhielten die Personen Hausverbot, welche sich öffentlich zu der Fan-Gruppierung bekennen. Der Verein habe Informationen von der Polizei erhalten, gemäß denen die "Crime Boys" mit der im Oktober 2008 durch den Verein verbannten Hooligan-Gruppierung "Blue Caps" zusammenarbeiten. Anlass zu deren Verbot war ein auf der Homepage der Vereinigung publizierter Aufruf zur Beteiligung an einem Nazi-Aufmarsch. Die "Crime Boys" galten in Insiderkreisen als Nachwuchs-Gruppe der "Blue Caps", die nach deren Stadionverbot deren Nachfolge antraten.

Der Vorstand des Fußball-Vereins begründete das zweite Hausverbot für eine rechte Fan-Schar innerhalb eines Jahres so: "Einige Personen, die unter dem Deckmantel einer Fan-Gruppierung anhaltend den Verein als Plattform politisch rechtsextremer Ideologien ausnutzen und missbrauchen zu versuchen, wollen das über Jahre hinweg von unzähligen Mitgliedern, ehrenamtlichen Helfern, Fans, Freunden, Sponsoren und Förderern Aufgebaute zerstören. Das wird der 1. FC Lok nicht zulassen. Er verurteilt diese dem Verein und seinen Grundsätzen in höchstem Maße schädliche Bestrebungen auf das Schärfste und wird auch in Zukunft konsequent sein Möglichstes tun, um dies zu verhindern."

Unklar ist, ob das Handeln des Vereins mit einem Anfang September in der Wochenzeitung "Die Zeit" veröffentlichten Dossier in Verbindung steht, in dem über die Unterwanderung der Fanszene des Klubs durch Neonazis berichtet wird. Die "Blue Caps" wurden demnach innerhalb von zwei Jahren durch einen Aktivisten der NPD gezielt "in eine rechtsextreme Bruderschaft verwandelt". Die Gruppierung habe Verbindungen zur NPD und zum lokalen Stützpunkt ihrer Jugendorganisation JN. Im Impressum ihrer Homepage ist die Odermannstraße 8, wo sich seit vergangenem Jahr ein NPD-Zentrum befindet, als Kontaktadresse angegeben, Domain-Inhaber ist ein gewisser E. Böhm.

Bei der Kommunalwahl im Juni kandidierte der bei der NPD-Landtagsfraktion angestellte Enrico Böhm erfolglos für den Leipziger Stadtrat. In dem "Zeit"-Dossier heißt es über ihn: "Auf der Internetseite der NPD preist er sich als potenzieller Retter der verblassenden Sportstadt Leipzig, und in seinem Wahlkreis erhält [er] fast eineinhalbtausend Stimmen. Das hat es in Deutschland noch nicht gegeben: Ein rechtsextremer Fußballfan, ohne Erfahrungen in öffentlichen Ämtern, erreicht aus dem Stand dreieinhalb Prozent."